Lesenswertes über Lesestörungen

Wortruinen, Silbensalat, Buchstabenchaos – das ist was ein von Lesestörungen betroffenes Kind hervorbringt, wenn es Lesen oder Schreiben soll. Verbessert sich die Situation trotz intensiven Übens nicht, sollten Eltern abklären lassen, ob es sich um Dyslexie / Legasthenie handelt. Auf dieser Seite habe ich einiges über Lesestörungen zusammengestellt:

Inhaltsangabe zu dieser Seite über Lesestörungen
Begriff / Definition von Lesestörungen
Klassifikation nach ICD-10
Unterschied: LRS oder Lesestörungen
Prävalenz / Häufigkeit von Lesestörungen
Geschichte der Forschung über Lesestörungen
Symptome / Merkmale von Lesestörungen
Ursachen von Lesestörungen
Prävention von Lesestörungen
Wie können Eltern helfen?
Schulische Entlastung bei Lesestörungen
Rechte, Schule und Gesetz: Nachteilsausgleich
Diagnose von Lesestörungen
Weitere Begriffe hinsichtlich Lesestörungen sowie Arten von Lesestörungen
Therapie / Förderung bei Lesestörungen
Material / Hilfsmittel für Kinder mit Lesestörungen
Bücher und Lesetexte für Kinder mit Lesestörungen
Software/Computerprogramm für Kinder mit Lesestörungen
Hinweis für Erwachsene mit Lesestörungen
Links und Literatur über Lesestörungen

Begriff / Definition von Lesestörungen


Das Wort Legasthenie setzt sich zusammen aus dem lateinischem „legere = lesen“ und dem altgriechischen Wort „asthéneia = Schwäche“. Wörtlich übersetzt bedeutet das: Leseschwäche.

Unter Lesestörungen, auch Dyslesie genannt, versteht man eine massive und lang anhaltende Störung beim Erlernen der Schriftsprache. Bei einer Lesestörungen hat man laut Definition Schwierigkeiten bei der Umsetzung von der geschriebenen zur gesprochenen Sprache und umgekehrt.

Klassifikation nach ICD 10:

(Internationale Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation WHO) Die Lesestörungen wird im ICD 10 als Lese- und Rechtschreibstörung mit der Ziffer F81.0 geführt. Auch wird im ICD 10 die Lese- und Rechtschreibstörung von der alleinigen Rechtschreibstörung mit der Ziffer F81.1 und der kombinierten Störung (Lesen, Schreiben und Rechnen) mit der Ziffer F81.3 unterschieden.
Die Definition von Lesestörungen / Dyslexie wird dort als Entwicklungsstörung des Lesens und Schreibens beschrieben:
“Die Leseleistungen müssen unter dem Niveau liegen, das aufgrund der allgemeinen Intelligenz und der Beschulung zu erwarten ist.”
Definition ICD 10: http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2011/indes.htm”>;http://www.dimdi.de/static/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2011/indes.htm/

Unterschied: LRS oder Dyslexie


Was ist LRS: Lese-Rechtschreib-Störung, Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten?

Wenn sich Lese Rechtschreibschwächen = Lese Rechtschreibprobleme durch eine Seh-/Hör- bzw. geistige Behinderung oder Erkrankung (neurologisch oder psychisch) erklären lassen, so liegt eine Lese Rechtschreibschwäche vor.

Wird eine Lese Rechtschreibschwäche ausgeschlossen und liegt ein durchschnittlicher bis hoher IQ (Intelligenz-Quotient) oder gar Hochbegabung vor, so handelt es sich um eine Lese-Rechtschreibstörung = Lesestörung / Dyslexie. Wobei man Dyslexie nicht mit einem Talentsignal verwechseln sollte, da nicht alle Legastheniker ein Genie sind wie Einstein.

Diesen Unterschied findet man auch im Nachteilsausgleich einiger Bundesländer und entscheidet aufgrund eines Attestes über den Umfang des Nachteilsausgleichs.

Prävalenz / Häufigkeit von Lesestörungen


Der Bundesverband für Legasthenie und Diskalkulie schätzt die Anzahl an von Lesestörungen betroffenen Kindern auf 5-15% eines Jahrgangs, meist mehr Jungen als Mädchen. Die unterschiedlichen Zahlen des Prozentrangs lassen sich darauf zurückführen, dass nicht immer Einigkeit darüber herrscht, ab wann es eine “richtige Dyslexie” ist.

Geschichte der Forschung über Lesestörungen


Um 1900 gab es die ersten Einzelfalldarstellungen. Da man bei den Betroffenen keine andere “Störung” feststellen konnte, nahm man als Urache für die “Wortblindheit” einen Defekt im Lesezentrum im Gehirn an und galt als nicht heilbar.

Erstmals wurde 1916 der Begriff der Legasthenie von dem Neurologen Paul Ranschburg eingeführt. Wobei die Legasthenie als eine Art geistige Krankheit oder Behinderung diagnostiziert wurde. Hiervon wurde mit der Zeit Abstand genommen und man ersetzte den Begriff Legasthenie mit LRS, wobei sich die Fachwelt bzgl. der Definition dieses Terminus nicht immer einig ist.

In den vergangenen Jahrzehnten sprach die Forschung einmal von den Unterschieden einer (vorübergehenden) Lese-Rechtschreib-Schwäche und einer (permanenten) Lesestörung, wobei die Ursachen in den Hintergrund traten. Bedingt durch die erweiterten Möglichkeiten der Hirnforschung traten die Ursachen einer Lesestörung in den letzen Jahren wiederum in den Vordergrund, da man jetzt über das Gehirn viel mehr Auswertungen machen kann.

Im Gegenzug hierzu verlangen viele Förderlehrer, dass man keine Unterscheidung zwischen Ursachen und Unterschieden der Lese Rechtschreibschwäche machen sollte, da alle betroffenen Kinder Förderbedarf haben und Hilfe brauchen. Denn nur so würden alle Kinder mit LRS von einem gezielten Unterricht in Kleingruppen profitieren.

Symptome / Merkmale /Auffälligkeiten von Lesestörungen


Frühe Symptome / Vorschulische Auffälligkeiten von Dyslexie
Es ist leider nicht möglich vorschulisch spätere Lesestörungen zu erkennen, diagnostizieren und daraufhin zu behandeln. Es gibt aber einige Symptome / Merkmale, die man bereits im Vorschulalter beobachten kann:
- verspäteter Sprachbeginn / Sprachschwierigkeiten
- Eingeschränktes Sprachverständnis
- Probleme beim Erkennen von Silben, Reimen oder Lauten
- Wahrnehmungsprobleme (akustisch / visuell)
- Schwierigkeiten links und rechts auseinander zuhalten
Aus diesem Grund sollte man die Eltern von Kindern, die eine Behandlung bei der Logopädie haben darauf hinweisen.

Symptome / Auffälligkeiten von Dyslexie in der Grundschule
Die hier aufgeführten Symptome, sind Kann-Auffälligkeiten und treten nicht nur bei Kindern mit Lesestörungen auf, sondern alle Jungen und Mädchen die die Schriftsprache erst erlernen machen am Anfang mehr oder weniger dieselben Fehler. Bei Kindern mit Lesestörungen treten diese Fehler jedoch häufiger auf und bleiben über längere Zeit (auch nach der Grundschule) stabil.

Allgemeine Symptome / Auffälligkeiten von Dyslexie
- Probleme beim Aufsagen des Alphabets
- Benennung von Buchstaben
- Bilden von Reimen

Störungen im Leselernprozess
- Das Zusammenschleifen von Buchstaben zu Lauten funktioniert nicht
(buchstabierendes Lesen)
- Stocken, Auslassen, Verdrehen, Ersetzen oder Hinzufügen von Buchstaben, Silben oder Wörtern
- Schwierigkeiten bei Diphthongen, Konsonantenklustern, Umlauten
- Versteht einzelne Wörter, aber keine Sätze
- Verlieren der Zeile
- Niedrige Lesegeschwindigkeit (längeres Zögern vor langen Wörtern, bzw. Wiederholung von Teilsätzen)
- Defizite im Leseverständnis (kann gelesenes nicht wiedergeben, kann aus dem Gelesenem keine Rückschlüsse ziehen oder Zusammenhänge erkennen, zur Beantwortung von Fragen wird Allgemeinwissen anstelle von Textinformationen genommen)
- Zögern vorm Vorlesen
Störungen im Schreiblernprozess
- Probleme bei der Umsetzung vom Gehörten ins Geschriebene
- Phonemfehler / Wortdurchgliederungsfehler: Weglassen, Verdrehen oder Hinzufügen von Lauten (kein lautgetreues Schreiben sondern „Wortruinen“)
- Akustische Wahrnehmungsfehler:
Verwechslung ähnlich klingender Laute (e/ä, b/p, d/t, g/k)
- Visuelle Wahrnehmungsfehler:
Unsicherheit in der Raumlage (b/d/p/q)
- Probleme beim Abschreiben (Tempo / Fehlerquote / Schrift)
- Regelfehler, bzw. Speicherfehler in der Rechtschreibung (Dehnung, Dopplung, Anwendung von Rechtschreibregeln)

Sekundäre Symptome / Auffälligkeiten von Dyslexie
- Angstsymptome (Schulangst, Prüfungsangst)
- Psychosomatische Beschwerden (Übelkeit, Bauch- oder Kopfschmerzen)
- Geringes Selbstwertgefühl (in der Schule)
- Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsprobleme (ADHS/ADS)
- Aggressives oder sozialunsicheres Verhalten , evtl. depressive Symptome
- Störung in der Mutter-Kind-Beziehung, durch die belastende Hausaufgaben-/ Lernsituation

Wie oben erwähnt treten diese Symptome / Merkmale nicht nur bei Kindern mit Lesestörungen auf, sondern bei allen Jungen und Mädchen die die Schriftsprache erlernen. Fallen Kinder aber hinter das Klassenniveau, sollte sofort mit einer gezielten Förderung in Kleingruppen neben dem normalen Unterricht begonnen werden, damit Kinder mit Lesestörungen oder Lernschwierigkeiten nicht noch weiter hinter das Klassenniveau fallen. Dies entbindet die Eltern jedoch nicht mit ihren Kindern täglich zu üben. 5-10 Minuten Lesetraining, bzw. Rechtschreibtraining reichen am Anfang.

Spätere Symptome / Auffälligkeiten von Dyslexie
Kinder, die leicht auswendig lernen sind in den ersten beiden Schuljahren oft nicht auffällig. Sie versagen oft erst ab der 3. Klasse, wenn ungeübte Diktate, Aufsätze oder ein höheres Tempo bei schriftlichen Arbeiten verlangt wird.

Bedingt durch mangelndes Lesevermögen oder schlechter Rechtschreibung machen sich auch in anderen Fächern Leistungsdefizite bemerkbar. Wenn sich trotz vielen Übens keine guten Leistungen zeigen, so bezeichnen viele diese Kinder ungerechterweise als dumm oder faul ohne zu prüfen, ob es sich hier um Lesestörungen handelt, dabei sind die Merkmale oft eindeutig.

Ursachen von Lesestörungen


Die Lesestörungen, d.h. die Probleme mit dem Schriftspracherwerb treten oft isoliert auf, ohne dass es eine weitere Minderbegabung vorliegt. Bei Problemen beim Erwerb der Schriftsprache, man muss aber Hör- und Sehprobleme von einem Facharzt ausschließen lassen, da diese zu ähnlichen Symptomen, wie bei Dyslexie führen können.

Als Ursache von Lesestörungen werden Probleme in der visuellen und auditiven Wahrnehmung, einer Sprachentwicklungsverzögerung, Mängel in der phonologischen Bewusstheit, zu wenig häuslicher Lese- oder zu viel Fernsehkonsum sowie angeborene Ursachen angenommen (Vererbung, Genetik – Chromosom 15 oder Neurologie – die zuständigen Hirnzentren sind nicht ausreichend miteinander vernetzt). Glücklicherweise kann man durch ausreichende Übung die Ursachen von Lesestörungen zum großen Teil kompensieren.

Prävention von Lesestörungen


Am erfolgreichsten sind Präventivmaßnahmen gegen Lesestörungen, die noch vor dem Schriftspracherwerb oder in der 1. Klasse durchgeführt werden können. Denn je später eine Therapie / Förderung einsetzt, desto geringer sind die Erfolge bei der Behandlung der Lesestörungen.
- Phonetische Bewusstheit (Würzburger Sprach-Programm)
- Wahrnehmungsförderung

Wie können Eltern einem Kind mit Lesestörungen helfen?


Kinder mit Dyslexie sollten grundsätzlich nur richtig geschriebene Wörter sehen. Daher sollte ein falsch geschriebenes Wort sofort wegradiert und richtig geschrieben werden. Helfen Sie hierbei ihrem Kind mit Dyslexie.

Lesen ist jedoch wichtiger als Rechtschreiben, denn die Lesekompetenz ist in allen Fächern zum Wissenserwerb wichtig! Die richtige Rechtschreibung kommt durch viel Lesen und Übung. Da ein Kind aber auch noch Zeit zum Spielen, Toben und Erholen braucht, müssen die Eltern die richtigen Prioritäten setzen.

Lesen Sie daher mit Ihrem Kind in übersichtlichen Zeit- und Stoffeinheiten. Lassen Sie Ihr Kind anfänglich nur einzelne Wörter, später einzelne Sätze, dann Absätze laut vorlesen. Verwenden Sie hierfür die Lesefibel oder die dazugehörigen Übungstexte. Zur Wiederholung oder Ergänzung eignen sich andere Lesefibeln oder Texte, die buchstabengetreu gelesen werden, -> zum Beispiel -> „Mara und Timo“ von Birgit Sommer.

Schulische Entlastung bei Lesestörungen


Bei einem Teil der Kinder bleiben die Probleme der Lesestörung auch nach den ersten beiden Schuljahren bestehen. Diesen Kindern mit Lesestörungen muss daher eine Entlastung vom schulischen Notendruck gewährleistet werden, um ihnen eine Begleiterscheinung von Lesestörungen, wie zum Beispiel Schulängste zu ersparen.

Rechte, Schule und Gesetz: Nachteilsausgleich


In der heutigen Gesellschaft muss man in der Regel lesen und schreiben können, wer dies nicht (gut) kann gilt als dumm oder faul. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Kindern mit Dyslexie lange Zeit der Zugang zu einer Höheren Schule, d.h. Realschule oder Gymnasium verwehrt wurde.

Zum Glück ist das heute nicht mehr der Fall, denn auch ein Kind mit Lesestörungen hat Rechte, die in der Verordnung vom Nachteilsausgleich geregelt sind. Laut Verordnung vom Nachteilsausgeleich wird Kindern mit Lesestörungen Zeitzuschläge und Notenschutz bzgl. der Rechtschreibung ab der Grundschule bis zum Gymnasium gewährt. Da die Vorschriften zu diesem Erlass sehr unterschiedlich sind, muss man sich nach den für sein Bundes-/Land gültigen Nachteilsausgeleich erkundigen.

Im Nachteilsausgleich ist geregelt, wer unter welchen Voraussetzungen welche Schutzmaßnahmen erhält. Dieses Gesetz soll die Nachteile, die legasthene Schüler gegenüber ihren Mitschülern haben ausgleichen, was zu besseren Noten führt. Da diese bessern Noten sich auch aufs Zeugnis auswirken, muss der gewährte Nachteilsausgleich auch in der Zeugnisbemerkung stehen. Aus diesem Grund verzichten viele in der Oberstufe auf diesen Nachteilsausgleich bei Lesestörungen.

Bitte betrachten Sie das nach dieses Attest für ihr von Lesestörungen betroffenem Kind nicht als einen Freifahrtschein, dass es die Regeln der deutschen Rechtschreibung nicht zu erlernen bräuchte, denn spätestens im Berufsleben gibt es für Legastheniker keinen Schutz mehr, was sich bereits bei der Suche nach einer Ausbildung bemerkbar macht.

Heute kann zwar jeder mit Hilfe der Rechtschreibprüfung im Computer ein fehlerfreies Bewerbungsschreiben verfassen, was nur mit Hilfe von einem Wörterbuch recht schwierig war. Jedoch sollte die Rechtschreibung der häufigsten Wörter bekannt sein um im Beruf nicht unangenehm aufzufallen.

Diagnose von Lesestörungen (Gutachten)


Oft gibt es andere Ursachen für Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, die sich durch die Behebung ihrer Ursache relativ leicht beheben lassen. Wurden von einem Arzt aber organische Ursachen, wie Schwerhörigkeit oder Fehlsichtigkeit sowie ungünstige Rahmenbedingungen, wie psychische Belastung aufgrund der häuslichen Situation (zum Beispiel: Trennung der Eltern, Leistungsdruck, …) ausgeschlossen, so sollte man einen Test zur Diagnostik / Feststellung einer Dyslexie / Legasthenie durchführen lassen.

Zur Diagnose von Dyslexie werden ein Rechtschreibtest, ein Lesetest und ein Text zur Messung der Intelligenz durchgeführt und im anschließendem Gutachten die Ergebnisse miteinander verglichen. Für die Diagnose, das Gutachten der Dyslexie ist es auch wichtig zu wissen, wie sich ein Kind bzgl. Sprache, Fein- und Grobmotorik sowie Wahrnehmung entwickelt hat. Für ein besseres Gesamtbild kann auch die Einsichtnahme in Schulhefte und Schulzeugnisse nützlich sein.

Da sich Kinder mit Lesestörungen von allgemein leseschwachen Kindern in ihrem Fehlerbild nicht unterscheiden, jedoch alle von Fördermaßnahmen profitieren, sollten auch alle Kinder unabhängig vom IQ eine Förderung erhalten, damit sie Chancen auf einen Schulabschluss sowie später auf dem Arbeitsmarkt haben.

Weitere Begriffe hinsichtlich Lesestörung
sowie verschiedene Arten von Lesestörungen


Der Leselernprozess
Bei den folgenden Beschreibung der Arten von Lesestörungen möchte ich auf den Leselernprozess hinweisen, welcher unbedingt beachtet werden muss!
-> Der Leselernprozess

Verbale Lesestörungen, bzw. Lautunterscheidungsschwäche: Von verbalen Lesestörungen spricht man, wenn zwischen Buchstaben und Lauten keine ausreichende Verbindung hergestellt werden kann und einzelne Laute oder ähnlich klingende Laute (d-t, g-k, b-p) nur schwer voneinander unterschieden werden können. Daher spricht man von einer Lautunterscheidungsschwäche, die auch aufgrund eines lokalen Dialektes hervorgerufen sein kann.

Literale Lesestörungen: Unter dem Begriff literale Lesestörungen versteht man, wenn einzelne Buchstaben nur schwer voneinander unterschieden werden können. Die literale Lesestörungen lässt sich noch einmal aufteilen in:
- Optische Differenzierungsschwäche: Bei Lesestörungen kann man die kleinen Unterschiede oft nicht erkennen (h-n-r, m-n, c-o)
- Raumorientierungsschwäche: Kinder mit Lesestörungen ist sich unsicher, in welcher Lage die Buchstaben stehen (spiegeln, oben/unten, z.B. b-d-p-q)

Oberflächendyslexie, bzw. Verbindungsschwäche: Die Wörter können nicht ganzheitlich erkannt werden oder gar nicht lautierend zusammengeschliffen werden, sondern müssen mühsam buchstabiert werden und ergeben somit keinen Sinn.

Hyperlexie: Das gelesene wird flüssig vorgetragen, aber nicht verstanden. Es wird zu viel Energie auf das richtige Vortragen gelenkt und keine Gedankenpausen zum Reflektieren eingelegt.

Tiefendyslexie: Wörter können zwar gelesen werden, aber nicht buchstabiert werden. Hierbei muss unterschieden werden zwischen folgenden Arten von Lesestörungen:
- Wortbildschwäche: Bei Lesestörungen kann man sich nicht vorstellen oder erinnern, wie ein Wort geschreiben wird.
- Sequenzschwäche: Das Kind mit Lesestörungen kann sich nur schwer Reihen merken (Monate, Wochentage, Alphabet) und vertauscht somit auch die Buchstabenfolgen eines Wortes.

Therapie / Förderung bei Lesestörungen


Lesestörungen können verbessert werden, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt werden. Sie sind leider nicht heilbar, da die gleichen Symptome bei einer jeden neuen Fremdsprache wieder auftreten. Aber je früher die Therapie / Förderung bei Lesestörungen begonnen wird, desto größer ist der Erfolg der Therapie / Förderung, bei der die Lesestörungen kompensiert werden können.

Da es sich in der Therapie von Lesestörungen bewährt hat, auf die Stärken, anstelle auf die Schwächen einzugehen, sollte man auf eine vorangegangene Lernstufe zurückgehen, die das Kind mit Lesestörungen hat und von dort aus in langsamen Schritten weiterarbeiten.

Wichtiger Hinweis für Therapie und Förderung bei Lesestörungen:
Kinder mit Lesestörungen sollten grundsätzlich nur richtig geschriebene Wortbilder sehen. Übungen, bei denen ein falsch geschriebenes Wort gezeigt wird und die Kinder Fehler suchen müssen, sollten ganz vermieden werden um schwere Rechtschreibstörungen vorzubeugen.

Anamnese / Fehleranalyse zu Beginn einer Therapie bei Lesestörungen
Bei allen Kindern mit der Diagnose Lesestörungen sollte zu Beginn der Therapie eine Anamnese (Fehleranalyse) durchgeführt werden. Hierzu können, die unter Diagnose genannten Tests herangezogen werden, um die speziellen Schwierigkeiten im Lese- und Rechtschreibbereich des von Lesestörungen betroffenen Kindes zu erkennen.

Meist wird nur analysiert, auf welcher Stufe der Rechtschreibung sich ein Legastheniker befindet (alphabetisch oder orthographisch, siehe Symptome der Lesestörungen), aber genauso wichtig wäre die Analyse auf welcher Stufe der Lesekompetenz befindet sich ein Kind mit Lesestörungen (siehe Stufen des Leselernprozesses).

Therapieplanung bei Lesestörungen / Rechtschreibstörungen
Der Therapieplan sollte sich an den Bedürfnissen des von Lesestörungen betroffenen Kindes orientieren. Was ist zuerst nötig?

- Welche Lerneinheiten im Bereich Lesen
- Welche Lerneinheiten im Bereich Rechtschreibung
- Welcher Lerntyp ist das Kind?
- Lernstrategien entwickeln (Schwächen durch Stärken ausgleichen)
- Möglichst alle Sinne (Sehen, Hören, Fühlen, Greifen) mit einbeziehen
- Größe der einzelnen Lernschritte (Frustrationstoleranz/ Motivationsaufbau, Selbstwertgefühl)
- Konzentrations-, bzw. Aufmerksamkeitstraining
- Konfliktbewältigung: Eltern – Kind
- Konfliktbewältigung: Lehrer – Kind

Lesetraining bei Lesestörungen
Zur Verbesserung der Lesefähigkeit, muss vor Beginn die Kenntnis der Buchstaben, Diphthonge, Konsonantenkluster, Umlaute usw. geprüft werden. Um das Zusammenschleifen der einzelnen Buchstaben zu üben sollten anfänglich nur Wörter verwendet werden, die buchstabengetreu gelesen werden, d.h. erst Wörter, dann Texte ohne Diphthonge, Konsonantenkluster, …

Denn bei diesen speziellen Lerneineiten wie, z.B. Dehnungen und Dopplungen ist darauf zu achten, dass diese nicht zu früh eingeführt werden, d.h. dem Leistungsniveau der Kinder angepasst sind um eine Überforderung zu vermeiden. Auch sollten die Wörter und Sätze am Anfang nicht zu lange sein. Das Auge muss erst darauf trainiert werden, immer längere Wörter mit einem Blick zu erkennen.

Damit Kinder mit Lesestörungen möglichst bald zu einem sinnerfassenden Lesen kommen, brauchen sie kurze Sätze (nur eine Zeile lang), mit kurzen Wörtern und ohne komplizierte Buchstabengruppen wie Diphthonge, Konsonantenhäufungen, usw. dies findet man in folgenden Geschichten:
-> Mara und Timo von Birgit Sommer

Ist diese Stufe des Lesenlernens bei einem Kind mit Lesestörungen ausreichend gefestigt, kann man an das Erlernen der „Ausnahmen“ gehen (Diphthonge, Konsonantenkluster, Umlaute d.h. der Buchstaben die durch ihr Zusammenspiel eine Lautwertveränderung zur Folge haben.
-> Hinweiß auf die einzelnen Lesestufen
Erst wenn ein Kind mit Lesestörungen diese Lesestufen alle beherrscht, sollte man an die selteneren Fälle wie sogenannte Fremdwörter gehen (orange, Jeans, …).

Rechtschreibtraining bei Rechtschrteibstörung

Phonologische Bewusstheit
Zur Schulung der Phonologischen Bewusstheit gibt es verschiedene Programme, die breits Erfolgreich in Kindergärten eingesetzt werden, z.B. das Würzburger Sprachtraining.

Alphabetische Stufe
Legastheniker, die noch große Probleme in der alphabetischen Stufe haben, sollten noch kein Training in der orthographischen Stufe durchführen, da sie oft noch Probleme mit der Laut-Buchstabenzuordnung haben, evtl. muss man mit ihnen erst ein Training zur phonologischen Bewusstheit durchführen.

Legastheniker in der alphabetischen Stufe profitieren vom synchronen Sprechschreiben / lautgetreuem Schreiben. Denn es gibt oft noch Probleme bei der Laut-Graphem-Zuordnung. Um den Kindern hier die Scheu vor dem Schreiben zu nehmen dürfen sie in dieser Phase noch lautgetreu schreiben („ai“ anstelle von „ei“, „scht“ anstelle von „st“). -> Kieler Leseaufbau

Orthographische Stufe
Da es in der deutschen Rechtschreibung sehr viele Wörter gibt, deren Rechtschreibung weder akustisch noch logisch hergeleitet werden kann, z.B. Fuchs (Fuks?/Fux?) oder “dir” aber “Tier”, ist die Merkfähigkeit sehr wichtig. Gute Vorübungen hierfür ist beispielweise Memori oder Übungen zur Raumlage Wahrnehmung.

Oft verwendete Wörter können gut mit einer Lernkartei geübt werden. Die Anzahl an Wörtern sollte aber 7 neue Wörter pro Einheit nicht überschreiten. Beim Rechtschreibtraining in der orthographischen Stufe kann man sehr gut auf bereits ausgearbeitete Programme zur Therapie zurückgreifen. -> Marburger Rechtschreibtraining + Lautgetreue Rechtschreibtraining von Reuther Lier

Behandlung der psychischen Begleiterscheinungen von Lesestörungen
Im Gegensatz zur Lesestörungen sind die Begleiterschienungen bei einer Lesestörungen heilbar. Zur Behandlung der psychischen Begleiterscheinungen bei Lesestörungen muss vorab eine genaue Diagnose durchgeführt werden. Hierbei kann es nötig sein, mit Eltern, Lehrern, bzw. weiteren Therapeuten zusammenzuarbeiten. Auch eine Gruppentherapie zur Steigerung des Selbstwertgefühls in einer Gruppe oder zum Aggressionsabbau in einer Gruppe kann für Kinder mit Lesestörungen sehr hilfreich sein. -> Einige Methoden von THOP von Döpfner et al können nicht nur bei ADHS, sonder auch bei Lesestörungen sehr gut eingesetzt werden.

Bezahlung einer Dyslexie-Therapie
Laut Kinder- und Jugendhilfegesetz § 35a SGB VIII kann eine außerschulische Therapie der Dyslexie beantragt werden. Diese Therapie wird im Normalfall von der Krankenkasse oder dem Jugendamt übernommen.

Material / Hilfsmittel für Kinder mit Lesestörungen


Jedes Kind mit Lesestörungen hat unterschiedliche Stärken und Schwächen. Hierfür benötigt das Kind mit Lesestörungen passende Hilfsmittel, da es keine einheitlich anwendbare Therapie für alle Symptome gibt. Die Auswahl der richtigen Spiele, Übungen, Bücher, Arbeitsblätter, evtl. auch Lern-/Übungssoftware am Computer für ein Dyslexietraining bedarf vom Therapeuten Erfahrung und das nötige Fingerspitzengefühl, um für das von Lesestörungen betroffenen Kind die richtigen Materialien zu finden, damit dieses geeignete Lesestrategien entwickeln kann.

Bücher und Lesetexte für Kinder mit Lesestörungen


Wenn alle Buchstaben eingeführt sind, wollen Erstklässer Texte/Geschichten/Bücher lesen. Bis ein flüssiges Lesen mit Wörtern aller 52 Buchstaben beherrscht wird, sollten Legastheniker beim Lesetraining nicht überfordert werden. Denn nur durch Leseerfolg wächst Lesemotivation und Lesefreude.
Hier setzt die Leseförderung der SELBER-LESEN-Reihe “Mara und Timo” an. -> Leseprobe
Für diese Bücher für Kinder mit Lesestörung gibt es passende Verständnisfragen im Antolin.

LernSoftware/Computerprogramm
für Kinder mit Lesestörungen


Zur Leseförderung in der Grundschule oder Zuhause gehört auch die gezielte Förderung von Teil- leistungsstörungen der Wahrnehmung. Hierfür, wurden 15 Spiele zum Lese-Rechtschreiberweb entwickelt. Dieser Spiele-Baukasten ist lernpsychologisch durchdacht und fördert schwerpunktmäßig das differenzierte Hören und den routinierten Umgang mit Buchstaben und Lauten (Raumlage b d p q).

Hinweis für Erwachsene mit Lesestörungen


Lesestörungen gibt es auch bei Erwachsenen. Viele Jugendliche oder Erwachsene möchten ihre Lese-Rechtschreibfähigkeit verbessern um bessere Chancen auf eine Ausbildung oder einen Job/Arbeitsplatz zu erhalten. Denn auch im Erwachsenenalter kann man die Probleme einer Lesestörung reduzieren. Wenn sich leider die meisten Programme an Kindern orientieren, eignen sie sich natürlich auch für Jugendliche oder Erwachsene mit Lesestörungen.

Hallo, wir sind Mara und Timo
Die SELBER LESEN – Reihe “Mara und Timo” ist nicht mit lautgetreuen Geschichten geschrieben, sondern es werden nur buchstabengetreue Wörter verwendet, d.h. nur Wörter, die keine Lautwertveränderung aufgrund von Diphthongen (ei, eu), Konsonantenklustern (ch, sch), usw. zur Folge haben. Band 1: ISBN 978-3-933651-30-3

“Stiftung Lesen” schreibt unter “Thematische Buchtipps 2009 – Die Schule geht los”: “So motiviert man Kinder ab 6-7 Jahren!”

-> Leseprobe

-> Startseite / HOME

-> nach oben


Links und Literatur über Legastheniker


BundesVerband Legasthenie und Dyskalkulie, Deutschland
Erster Österreichischer Dachverband Legasthenie EÖDL
Verband Dyslexie Schweiz, CH
Studium zum Legasthenietrainier
Wikipedia

LegasthenieProblem der PhonetikWahrnehmungBücher/Lesetexte

Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
Dieser Beitrag wurde unter Lesestörungen abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.