Vorkurs Deutsch (A0/A1) in sehr heterogenen Gruppen

BuchstabenkartenWer in Deutschland lebt, muss Deutsch lernen.
Dies geschieht in unterschiedlicher Weise:
1. Sprachkurse für Erwachsene
2. Übergangsklassen für Schüler
3. Normaler Schulbetrieb mit Deutschintensivierung

Sprachkurse und Übergangsklassen
Zur Zeit gibt es im DaZ-Unterricht hauptsächlich Flüchtlinge aus dem arabischen Sprachraum. In den meisten Deutschkursen sind die Gruppen sehr heterogen. In meinen Erwachsenenkursen gibt es ehemalige Manager aus internationalen Firmen, deren Firmensprache Englisch war und die eigenständig Deutsch gelernt haben und dann wiederum Menschen, die noch nie eine Schule besucht haben.

Um allen gerecht zu werden habe ich meinen Unterricht wie folgt aufgeteilt:
1/2 der Zeit: Sprechanlässe (Themen wie Begrüßung, Einkaufen, Wohnung, …)
1/4 der Zeit: Alphabetisierung
(die besseren lernten währenddessen auch neue Vokabeln, bzw. Ausspracheregeln)
1/4 der Zeit: Grammatik

Die Alphabetisierung läuft anfänglich nur mit Großbuchstaben um schnellere Fortschritte am Anfang zu erzielen. Im Arabischen gibt es keine Groß- und Kleinbuchstaben. Es gibt aber jeweils ein Zeichen für denselben Laut am Anfang/Mitte/Ende eines Wortes. Da verwirren Groß- und Kleinbuchstaben.

Ich beginne grundsätzlich nur mit selbstklingenden Buchstaben (keine Plosivlaute, keine Vokal-/Konsonantenverbindungen, wie ei/au/ch/sch, keine Umlaute oder Dehnungen). Die reinen Selbstklinger haben den Vorteil, dass man auf jedem Laut ausharren kann, z.B. Mama nicht Papa.

Wer das Alphabet auswendig aufsagen kann, kann noch lange nicht lesen. Man muss die Buchstaben als einzelne Laute erkennen. Wer von den Flüchtlingen Englisch oder Französisch kann, hat meist große Probleme mit den Vokalen, da die in den einzelnen Europäischen Sprachen unterschiedlich ausgesprochen werden.

Durch meine Lauttabelle kann man sich sehr gut vorstellen, wie die Laute gebildet werden und man kann den Kindern erklären, dass man zum Lesen nicht EM sondern M sagt, da aus der MAMA sonst eine EMA EMA wird. Mehr Info dazu: https://selberlesen.wordpress.com/daf-a0/daf-a0-buchstaben-lernen/
Die Lauttabelle DinA4 kann man für 5 Euro Selbstkostenpreis bei mir vorbestellen, bzw. für je 1 Euro pro Lauttabelle bei der Vorbestellung eines Klassensatzes.

Normaler Schulbetrieb mit Deutschintensivierung
Da nicht alle Schüler in einer Übergangsklasse unterrichtet werden können, werden die Flüchtlingskinder oft auf normale Klassen aufgeteilt und nur zur Deutschintensivierung aus der Klasse genommen. Bedingt durch die große Anzahl an Flüchtlingskindern, kann dies nicht mehr einzeln geschehen, sondern muss oft in Gruppenarbeit geleistet werden.

Trotz jahrelanger Vermittlung von Lesen und Schreiben in der Eingangsstufe, sehen sich Grundschullehrer vor einer großen Herausforderung, da in den Gruppen Kinder sind, die erst seit kurzem in Deutschland sind, aber auch Kinder, die schon seit Monaten in den regulären Klassen am Unterricht teilnehmen.
Flüchtlingskinder, die im normalen Klassenverband unterrichtet werden, werden oft Klassenweise zur Deutschintensivierung geschickt, was bei unterschiedlichem Lernniveau sich oft als schwierig erweist. Daher sollte man die Kinder besser nach Deutschkennnissen aufteilen. Dazu empfiehlt es sich die Kinder zumindest auf zwei Niveaus aufzuteilen:
– Alphabetisierungskurs
– Grammatikkurs A1/A2
Wortschatztraining/Sprachanlässe A0/A1/A2 könnten gleichzeitig unterrichtet werden.
Wenn jedoch die Alphabetisierung noch nicht abgeschlossen ist, sind die Kinder für einen Grammatikunterricht nicht aufnahmebereit. Kinder im Kindergartenalter lernen die Grammatik wie eine Muttersprache im Zusammenhang.

Alphabetisierung
Schüler, die von Anfang an, am Unterricht in der ersten Klasse teilgenommen haben, tun sich leichter und können schon erste Wörter und Sätze lesen. Einige andere kennen die Buchstaben, aber sie wissen nicht, wie lesen geht und wieder andere kennen nur einzelne Buchstaben oder stehen ganz am Anfang. Noch dazu gibt es Schüler, die wahrscheinlich von wohlmeinenden Menschen buchstabieren statt lautieren gelernt haben. Sie können stolz das ganze ABC oft auf Deutsch und Englisch aufsagen, können aber leider keine Wörter lesen, denn aus „MaMa“ wird so ein „EmaEma“.

Eine Heterogenität, die vieles in den Schatten stellt, aber trotzdem müsste es doch irgendwie möglich sein, diesen Schülern das Lesen und Schreiben in relativ kurzer Zeit nahe zu bringen. Alle haben sie in der Zwischenzeit irgendetwas in den entsprechenden Klassen gelernt und Deutsch lernen wollen sie alle. Das sind eigentlich gute Voraussetzungen. Bevor sich manche Verhaltensauffälligkeiten verstärken, wären Erfolgserlebnisse für die Schüler enorm wichtig, um wach und neugierig zu bleiben.

All diese Kinder sind Leseanfänger und haben Alphabetisierungsbedarf. Trotzdem möchte man sich nicht allzu lange bei den einzelnen Buchstaben aufhalten, um die Neugierde der Kinder zu erhalten und ihnen bald zu zeigen, wie das Lesen geht. Wenn man mit Schülern, die die deutsche Sprache noch nicht sprechen eine normale Anlauttabelle aus der 1.Klasse verwendet wird man Schwierigkeiten haben, da sie die verwendeten Wörter ja auch noch nicht kennen. Um damit zu verschriften wäre viel zu umständlich und überzeugt mich nicht. Es fehlt den Kindern ja auch der Erfahrungs-Grundwortschatz für die Anlautbilder. Aus diesem Grund habe ich die reine Lauttabelle entwickelt.

Zusammen mit Logopäden habe ich eine reine Lauttabelle entwickelt (keine Anlauttabelle), da viele Leseanfänger Probleme mit dem Zusammenschleifen von Buchstaben haben. Menschen ohne Deutschkenntnisse kommen mit dem System auch schneller zurecht.
Meine Anlauttabelle ist gerade für den DAZ-Unterricht gut geeignet und klar und gezielt aufgebaut.

Pädagogischer Hintergrund meiner Lauttabelle:
Bei der Buchstabenreihenfolge, sollte man Vokale (A/E/I/O/U) und selbstklingende Konsonanten (F/L/M/N/R/S/V/W) miteinander mischen, damit man sehr schnell zum Silbenlesen und Buchstaben zusammenschleifen kommt und dann auch so schnell wie mgl. erste Wörter lesen kann.) Um ein schnelleres Erfolgserlebnis zu erzielen beginne ich mit den o.g. Großbuchstaben, da die Plosivlaute (B/P/D/T/G/K/Z) ihre eigene Schwierigkeit darstellen, führe ich erst diese ein, bevor ich zu den Kleinbuchstaben übergehe. Diese kann man recht zügig einführen, da viele Buchstaben ähnlich aussehen (Buchstabentabelle und Memory eignen sich hierzu hervorragend). Wichtig ist, dass man von das kleine A sowie das kleine L auf beide Schreibweisen zeigt, da dies ab der 3. Klasse bekannt sein muss. Jetzt kann man mit den Geschichten von “Mara und Timo” beginnen und nach und nach Doppellaute (ei/au/eu), Umlaute (ä/ö/ü/äu), Di-/Trigrphen (ch/ck/sch/st-/sp-) sowie die seltenen Buchstaben (c/qu/x/y) einführen.

Warum erst Großbuchstaben, dann Kleinbuchstaben?
Da es im Arabischen für jeden Laut 3 verschiedene Zeichen gibt, ob ich den Laut am Anfang/Mitte/Ende schreibe, kommt es sehr leicht zu einer Vermischung der Groß- und Kleinbuchstaben, wenn man sie gleichzeitig einführt.

Ausspracheunterschiede
Kleiner Hinweis: im Arabischen gibt es nur 3 Vokale (A/E/O), kein P, kein G, dafür K und K!, H und H! sowie verschiedene Zeichen für ch1 und ch2.
Im Deutschen spricht man das E am Anfang vom Wort meist als Ä aus, Ausnahme: Esel, Elefant, er, Efeu, Elektriker, …
Mehr Info unter: http://www.isb-oldenburg.de/

Ich führe die Vokale meist so ein: A/O/U (der Mund wird immer kleiner), I (lachender Mund), E (normaler Mund). Die Umlaute erkläre ich wie folgt: Ä/a/O/ö/U/ü (der Mund wird immer kleiner). Um die Ausspracheregeln besser zu kapieren, zähle ich viel und oft:
eins [ai]
zwei [ai]
drei [ai]
vier [langes i]
fünf [ü]
sechs [ks]
sieben [langes i]
acht [ch2]
neun [oi]
zehn [langes e]
elf [e als ä]
zwölf [ö]

sechzehn [ch1]
siebzehn

Wenn meine Schüler trotzdem Probleme mit u/ü haben bringe ich gerne das Beispiel mit Kuss + küssen (ich küsse dabei auf meinen Handrücken). Das P übe ich wie die Logopäden: Hand vor den Mund und sage mal Baba (Arabisches Wort für Papa) und dann Papa (bei Papa fühlt man den Luftstrom).

Grammatikunterricht
Die Grammatik ist der Knackpunkt, ohne schriftliche Übung, sprich Arbeitsblätter funktioniert es nicht, aber die noch nicht alphabetisierten Schüler wollen auch alle ein Arbeitsblatt haben und nicht während die anderen ein Arbeitsblatt ausfüllen, Lesetraining machen. Weshalb ich die schnelleren und langsameren Schüler in Gruppen zusammensetze. Alle beginnen mit dem gleichen einfachen Arbeitsblatt und dürfen sich langsam steigern. Meine Schüler mit der schöneren Handschrift sind ausgerechnet diejenigen ohne Vorkenntnisse. Sprich, sie malen die Buchstaben/Wörter nur ab, gewöhnen sich dabei aber an unsere verschiedenen Zeichen.

Wortschatztraining/Sprachanlässe
Ich habe jetzt einen Vorkurs-Deutsch für meine Deutschkurse erarbeitet und getestet. Die einzelnen Kapitel werde ich daraufhin noch einmal überarbeiten. Bei Interesse kann man sie vor Veröffentlichung bereits als E-Mail-Abo buchen.

Der Vorkurs Deutsch ist ab jetzt als Abo
(10 Euro pro Monat) buchbar und jederzeit kündbar.
Über ein Feedback zu den einzelnen Lektionen würde ich mich sehr freuen.

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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