Ist Ganzwortlesen – Raten oder Lesen?

Die logographische Phase

Bevor Kinder mit Buchstaben etwas anfangen können erkennen sie Logos sowie ihren Namen (bei langen Namen die ersten Buchstaben).

Wenn Leseanfänger bereits angefangen haben erste Wörter buchstabierend zu lesen, neigen sie daher auch dazu Wörter aufgrund ihres ersten Eindrucks zu erraten, um das Lesen zu beschleunigen.

Die Ganzworterkennung

Es gibt zwei Lesemethoden, die auch erfahrene Leser anwenden:
1. Das Buchstabe für Buchstabe Lesen befähigt uns unbekannte Worte zu erlesen. Ist aber als alleinige Lesemethode viel zu langsam.
2. Die Erwartung, was da stehen könnte, macht das Lesen schneller. Das ist die Methode des Ratens.

Für alle die schon raten können:

Buchstabensalat:
Desein Txet knasnt du sciehr acuh shcon lseen.

Was unser Gehirn alles kann! Selbst wenn ein Text halt abgedeckt ist oder komisch aussieht können wir draufloslesen und die Wörter richtig erraten. Das kommt daher, dass die Wortbilder in unserm Gehirn abgespeichert sind. Wir erkennen auch einen Freund, wenn er eine Mütze aufhat und man nur den halben Kopf sehen kann.

Sind die Wörter in unserem Langzeitgedächtnis gespeichert, profitieren gute Leser gleich mehrfach: Sie lesen schnell, mühelos, meist fehlerfrei und verstehen was sie lesen.

Das Aneinanderreihen der einzelnen Buchstaben ist nur eine Zwischenphase, die wir bei unbekannten Fremdworten oft wieder einsetzen müssen. Um schneller Lesen zu können, ist es wichtig, mehrere Buchstaben auf einem Blick zu erfassen. Bei erfahrenen Lesern läuft dies schnell und unbewusst ab. Anders bei Leseanfängern, sie müssen meist erst lernen die Wörter in Silben zu zerlegen.

Leseanfänger merken sich zuerst kurze häufige Wörter, z.B. er, und, die, ihr, … Erst dann folgen häufige oder geübte Wörter, gefolgt von häufigen Silben, z.B. un-, vor-, ver-, … Damit Leseanfänger sich beim Lesen schneller/leichter tun, kann man für sie die Wörter vorab in Silben zerlegen.

Silbenübung
Eine Silbenübung, die den Kindern Spaß macht ist, z.B. wenn sie die Lernwörter stempeln dürfen und anschließend in Silben zerschneiden dürfen. Danach können die Kinder die Wörter wieder zusammenlegen und einfacher erlesen. Als Vorteilhaft hat es sich erwiesen, wenn sich diese Lernwörter ähneln (Ha-se, Na-se, Do-se, Ro-se).

Oft erkennen Leseanfänger die ersten Buchstaben eines Wortes und beginnen das Wort sinngemäß zu erraten. Dies ist ein wichtiger Schritt im Leselernprozess und sollte belohnt anstelle wie so häufig kritisiert zu werden. Kommt es zu häufig vor, ist es ratsam mit dem Kind den Text noch einmal gemeinsam laut vorzulesen. So merkt es selbst, wo es falsche geraten hat.

Blitzlesen
Um die Ganzworterkennung zu trainieren macht das Blitzlesen Spaß. Wenn die Kinder einer Gruppe etwa das gleiche Leseniveau haben, kann man dieses Spiel auch gut als Wettbewerb durchführen. Dazu schreibt man häufige, wie auch einfache kurze Wörter, evtl. auch einfache Lernwörter auf einen Karton und zeigt sie den Kindern kurz (jedoch lange genug, dass sie erkannt werden können).

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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