Buchstaben zu Wörtern zusammenziehen

9783861961710Es kostet Zeit, ist anstrengend und fehleranfällig, wenn Leseanfänger jedes Mal neu überlegen müssen, welcher Laut zu welchem Buchstaben gehört. Ist diese Hürde einmal geschafft, dann kann man sich an die nächste Phase machen: das Buchstaben zusammenziehen lernen, d.h. die Grundvoraussetzungen: phonetische Bewusstheit, die Buchstaben sowie die Buchstabe-Laut-Beziehung sollte zumindest für die zu lesenden Buchstaben schon vorhanden sein.

Bei der Wortsynthese geht es darum Einzelbuchstaben/-laute zu Silben/Worten zusammenzufügen. Die ersten Syntheseübungen beginnen sinnvollerweise mit dem zusammenschleifen von 2 stimmhaften Buchstaben und steigern sich kontinuierlich zu immer längeren Wörtern. Der Übergang vom Buchstabieren zum Lesen ist vollzogen, wenn beim Zusammenlesen der Buchstaben/Laute Worte entstehen.

Am besten lernen Kinder Buchstaben/Laute zu Worten zusammenzuziehen, wenn sie die einzelnen Laute so lange laut dehnen, bis sie den nächsten Buchstaben erfassen und aussprechen können. Dies geht natürlich nur mit selbstklingenden Buchstaben (Vokale + F, L, M, N, R, S, W), Plosivlaute (B, D, G, H, K, P, T) sollten daher anfänglich vermieden werden.

Das Zusammenziehen von Buchstaben lässt sich anfänglich am einfachsten mit einsilbigen oder bei zweisilbigen Wörtern mit nur 2 Buchstaben pro Silbe üben. Wenn Kinder erst die einzelnen Buchstaben kennen, so haben sie nämlich auch Probleme Wörter richtig zu gliedern. Wie liest man D-A-U-M-EN? Werden diese 6 Buchstaben als eine oder zwei Silben gesprochen, also Dau-men oder da-um-en? Für uns erfahrene Leser ist das klar, Leseanfänge müssen das Zusammenziehen sowie das richtig gliedern erst noch lernen.

Da es in der deutschen Sprache nicht viele dieser wirklich einfachen Wörter gibt, werden häufig gerne Pseudowörter eingesetzt. Wenn diese Pseudowörter jedoch nicht mit in der jeweiligen Sprache (bei uns Deutsch) mit real vorkommenden Silben übereinstimmen, machen diese für den wirklichen Leselernprozess wenig Sinn, da sich unser Gehirn häufig vorkommende Wort- und Silbenmuster zum leichter Wiedererkennen (ähnlich Gesichter) merkt.

Auch die Reihenfolge der einzelnen Buchstaben im Wort müssen sich die Leseanfänger diese merken um die Laute in der richtigen Reihenfolge zusammen aussprechen zu können. Beim Erlesen von Wörtern müssen die Reihenfolge die erkannten und mit einem Laut verbundenen Buchstaben gemerkt werden, um diese Laute anschließend zusammenziehen zu können. Oft haben sie aber die Buchstaben/Laute, die sie erlesen haben wieder vergessen, bevor sie diese sprachlich zusammenziehen können. Eine Sinnentnahme kann jedoch nur erfolgen, wenn Reihenfolgen gemerkt werden können.

Wenn der Leseanfänger ein Wort Laut für Laut erlesen hat, sollte es dieses Wort anschließend noch einmal normal gesprochen wiederholen, denn nur so kann dem gelesenen Wort auch eine Bedeutung zugeordnet werden. Es ist wichtig dem Leseanfänger beizubringen, dass Lesen nicht nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben ist, sondern einen Sinn ergeben. Ohne Sinnentnahme wird nur die Lesetechnik verbessert, ohne dass die Kinder ahnen, was sie lesen. Auch aus diesem Grund sind Pseudowörter mit Vorsicht zu genießen.

1. Laute und Buchstaben zusammenziehen
2. Buchstaben lesen und zu Silben gliedern

Übungshilfen:
Lesezug (Buchstaben pro Waggon)
Lesezug (Silben pro Waggon)
Lesezug (Wörter pro Waggon)
Lesepuzzle (ähnlich Lesezug)
Buchstabenrutsche

Silbenlesen:
An diesem Tag sind alle Kinder Chinesen. Sie lesen: la, le, li
Das macht Spaß und schon geht es leichter zu begreifen.

Wortanfänge üben:
Man gibt den Schülern nur die ersten beiden Buchstaben eines Wortes (Silbenlesen), und diese überlegen dazu Wörter, die so anfangen, z.B.:
La: La-ma, la-chen, Lamm
Li: Li-mo, Li-ne-al, links
Ma: Ma-ma, Ma-mi, Mars
Mo: Mo-tor, Mond

Weitere Übungshilfen:
Rollwörter (Schriftrolle)
Lesepfeil (Buchstaben einzeln aufdecken)
Leiterlesen (aufbauende Methode)
Leiterlesen (abbauende Methode)
Silbentreppe (aufbauende Methode)
Silbentreppe (abbauende Methode)

Gerade wenn Kinder bereits ein paar Wörter als Logo/Ganzwort erkennen, bietet sich die abbauende Methode gut an. Durch die Analyse kommt die Synthese von selbst.

Übung durch Bewegung (Sprache und Motorik hängen zusammen):
Buchstaben auf dem Boden verteilen und große Schritte machen.
Silbenspringen
Schwingen

Das Umsetzen der Buchstaben in Laute mit gleichzeitigem Zusammenziehen der Laute zu Wörtern und sofortiger Sinnentnahme nennt man den Leseprozess. Dieses Aha-Erlebnis kommt bei allen Kindern zu einem anderen Zeitpunkt, manche brauchen etwas länger als andere. Je einfacher die Texte zum Üben sind, desto leichter fällte es aber den Kindern.

Wenn Kinder beginnen Wörter abzumalen, heißt dass noch lange nicht, dass sie auch verstehen, was sie abgeschrieben haben.

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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