Die akustische Wahrnehmungsphase und das Laute heraushören beim Lesen lernen

Phonetische Bewusstheit fürs Lesen lernen

Die Grundfertigkeit „phonetische Bewusstheit ist von grundlegender Bedeutung des Schriftspracherwerbs. Das genau Hören und Wörter zerlegen können ist laut neuester Studien gerade beim Lesen lernen von grundlegender Bedeutung, denn ein Leseanfänger muss erst einmal begreifen, dass ein Wort aus mehreren Lauten zusammengesetzt ist, bevor es die einzelnen Buchstaben in Laute umwandelt und diese zusammenfügen lernt. Unter phonetischer Bewusstheit versteht man das Zerlegen der Wörter in einzelne Laute, z.B. M-au-s.

Übungen zur phonetischen Bewusstheit:
1. Rhythmus
– Singen
– Tanzen
– Musizieren
2. Silben
– zweisilbige Wörter klatschen
– mehrsilbige Wörter klatschen
3. bewusst hören
– Alltagsgeräusche
– akustisches Gedächtnis
4. Lautsynthese
– Anfangslaut sagen
– Endlaut heraushören
– Wort in Laute zerlegen
5. Wörter finden
– Dinge mit bestimmten Anfangslaut
– Reimwörter bilden
6. Probleme

RHYTHMUS
Musik: Singen, Tanzen
Unsere Sprache besteht aus einem Sprachrhythmus. Singen, Tanzen und bewusst hören hilft sich auf die Schriftsprache vorzubereiten.
Eine gute Vorübung zum bewusst Hören ist laut/leise, bzw. hoch/tief zu sprechen. Wenn das Kind zu diesen Übungen die Augen schließt, kann es sich noch besser aufs Horchen konzentrieren.

Über die Musik kann man auch vieles im sprachlichen Bereich fördern. Singen Sie deshalb viel mit den Kindern. Der Rhythmus kann nicht nur gehört, sondern bei Bässen sogar erfühlt werden. Lassen Sie die Kinder zum Takt klatschen oder Tanzen. Weiterhin können sich Kinder in Verbindung mit Melodien Wörter und ihre Besonderheiten besser auseinander halten.

SILBEN
Silben klatschen/hüpfen
Unterstützen Sie das in Silben sprechen mit Klatschen, Hüpfen, Stampfen, Gehen.
Ist den Kindern der Rhythmus ein Begriff, dann tun sie sich auch mit dem Silben klatschen viel leichter. Als Abwechslung kann man auch Silben stampfen oder Silben hüfen/gehen. Besonders viel Spaß macht das anhand von Klatschspielen zu üben.

BEWUSST HÖREN
Kinder lernen mit allen Sinnen.
Als Grundübung beginnt man am Besten mit dem Erkennen von Alltagsgeräuschen. Bewusstes Hören lässt sich am besten mit geschlossen Augen üben. Lassen Sie sich dann von den Kindern erklären was sie hören.

Dies kann man steigern, z.B. durch „Wassergeräusche“ wie Regen, Wasserhahn, Klospühlung oder „Tierstimmen“ unterscheiden. Auch unterschiedliche Sprechweisen helfen beim Unterscheiden lernen: laut/leise, langsam/schnell sowie hoch/tief.

Um das phonologische Gedächtnis zu schulen sagt man den Kindern Wörter oder Zahlenfolgen auf (3 aufsteigend) die sie in der richtigen Reihenfolge wiedergeben sollen. Spielerisch können wir das in Form von „Kofferpacken“. Aber auch Gedichte und Liedtexte eignen sich hierzu hervorragend.

LAUTSYNTHESE
Laute werden durch das mit den Ohren Hören wahrgenommen. Man kann sie aber auch erfühlen durch Vibration an Mund / Hals oder sehen durch die Mund-/Zungenstellung. Um diese besser zu begreifen kann man z.B. versuchen Urlaute (A, I, O, M) mit offenen oder zusammengepressten Lippen zu sprechen. Die Lautsymbole, Buchstaben sind in dieser Phase noch unwichtig.

Folgende Spiele eignen sich gut zum Dinge/Tiere mit bestimmten Anfangslaut finden: Ich sehe was, was du nicht siehst, und das beginnt mit …, Nenne ein Tier, das mit … beginnt, Alle Vögel fliegen hoch (nur Tiere die mit … beginnen).

Folgende Spiele können bereits in der Vorschularbeit, wie auch im Förderunterricht sehr gut eingesetzt werden. So können Kinder alle Laute heraushören lernen, bevor die dazugehörigen Buchstaben, bzw. ihre Verbindungen von den Kindern gekannt werden:

1. Kind soll versuchen ein einfaches Wort in Einzellaute zu zerlegen.
2. Buchstabieren Sie einfachste Wörter wie M-A-M-A, das Kind soll das Wort sagen (M als M nicht als ÄM aussprechen, Achtung: Eis spricht man z.B. „Ais“ und eignet sich daher nicht!).

WÖRTER FINDEN
Beginnen sollte man mit Wörtern, die mit selbstklingenden Lauten, wie A, E, F, M, N, … beginnen, bzw. enden, damit die Laute auch rein ausgesprochen werden können (nicht ÄF, ÄM, ÄN).
Eine Voraussetzung beim Lesen lernen ist die phonetische Bewusstheit. Darunter versteht man das zerlegen von Wörtern in einzelne Silben oder Laute, z.B. Eischnee, hat zwei Silben und besteht aus den Lauten A + i + sch + n + e.

1. Nennen Sie einen Laut und der Schüler soll Dinge zeigen, die mit diesem Laut beginnen.
2. Nennen Sie einen Laut und der Schüler soll Dinge zeigen, die mit diesem Laut enden.
3. Nennen Sie einen Laut und der Schüler soll Dinge zeigen, in denen dieser Laut vorkommt.
4. Spielen Sie: Ich sehe was, was du nicht siehst und das beginnt mit: …
5. Bringe mir einen Gegenstand und der beginnt mit …
6. Kind soll einen Jungen-/Mädchennamen, ein Tier, ein Möbelstück (ähnlich Stadt/Land/Fluss) sagen und das mit … beginnt.
7. Reinwörter finden (Achtung: und + bunt, wie auch andere Reimwörter werden gleich ausgesprochen)

HÖR- / SPRACHPROBLEME
Wenn ein Kind einzelne Laute nicht erkennt, bzw. falsch ausspricht, ist es sinnvoll diese durch Lautgebärden zu unterstützen. Gute Erfahrungen wurden auch mit „Lippenlesen“ gemacht. Hier schaut man sich mit dem Kind die genaue Mund-/Zungenstellung anhand von Beispielen an und übt den entsprechenden Laut vor dem Spiegel (ähnlich wie bei der Sprachtherapie von Taubstummen).

Wenn wiederholt auffällt, dass ein Schüler einzelne Laute aussprechen kann, sollten Sie bei einem HNO-Arzt prüfen lassen, ob es sich um eine akustische Differenzierungsschwäche handelt. Gerade hier hat es sich als positiv erwiesen, die Laute durch Lautgebärden zu unterstützen.

ZUSAMMENFASSUNG
Lautübungen (Leseübungen) sollte man am Anfang noch ohne Buchstaben durchführen. Spiele zur akustischen Wahrnehmung, Laute und Silben lassen sich bereits sehr gut vor Einführung der Buchstaben-Zeichen mit den Vor-/Schulkindern üben. Ein sehr schönes Vorschulprogramm ist z.B. das Würzburger Sprachprogramm.

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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