So sehen Autisten Schulzeiten

Monika Herbrand

Monika Herbrand

Meine Schulzeit als Autist
Gastartikel von Monika Herbrand

… sechs Jahre jung und ein Erlebnis begann,
welches man als Schulzeit benann.

Erfreut trug ich die Gewissheit,
der an mich herankommenden Möglichkeit,
gleiche Lebewesen, ja menschliche Wesen,
so wie ich eines bin, jetzt selbst zu begegnen,
dass ich keinen Kontakt zu ihnen fand,
war unerahnbar – doch für mich allerhand.

War nie angemeldet, hatte ihn nie besucht, den Kindergarten
und doch waren mir nicht unbekannt, die mir gleichen Wesen.
sie waren ganz unheimlich nah, zu Hause, meine Geschwister:
Eineinhalb Jahre älter ist meine Schwester.
Sie war für mich die Vorhut meiner Schulzeit.

Durch sie sahen meine Augen schon ein Jahr zuvor,
bevor auch ich kam, wie sie, in die Schule,
was dort geschieht, in der Grundschule.
Die Frage „… Was machen die da…?“,
war mir somit ein Stückweit klar.

In der Schule wird Kindern lesen, schreiben, rechnen gelehrt und vieles mehr.
Sachlich informativ, ich bin hier ganz ehrlich,
war vieles klar, jedoch emotional menschlich,
schlug sich seine Bahn – ein weißer Schleier.
Im fachliche Wissen gab mir Halt, was meine Augen sahen,
sei`s in Schulbüchern oder an der Tafel, wurde unwiderruflich
in meinem Hochleistungsrechner im Gehirn gespeichert und mit Goggle verbunden.

Bauchgrummeln, Unbehagen, Stress bis zur Angst,
ist das, was ich in der Schulzeit als Lehrung empfand,
weil ich all die anderen menschlichen Wesen nicht verstand.

Das Schulfach „Deutsch“ wurde bei alldem
ab der vierten Klasse zum großen Grauen.
Kein Problem war Buchstabenaneinanderreihungen mit ihren
ausgesprochenen Tonreizen in meinem Gehirn abzuspeichern.
Nur Bilder hatten zu den sachliche Gegebenheiten bei mir keinen Platz.
Schreibt mal ohne emotionale Zuordnung – einen Aufsatz!!

Das Schulfach „Englisch“ wurde zu einem noch größerem Missgeschick
denn diese Buchstabenaneinanderreihungen vom sehenden Blick –
meiner Augen … the, she, change, that, this, thank you…
Oh Graus, da passten die auszusprechenden Tonreize nicht dazu.

Wie man auch das Worte benennt,
wenn man es nicht mehr erkennt,
nicht in den Tonreizen der deutsch gelernten Buchstabenmelodie – aus
nicht identifizierbar – Error – Server nicht gefunden – raus.

Rechtschreibung, die deutsche Sprache,
bleibt für mich immer eine Fremdsprache,
und doch habe ich gelernt mit ihr zu spielen,
verbunden mit logischem Denken und vielen,
als Tonreize eingespeicherte Kopfbilder:
meine Wirklichkeit und ihre Filter.

Ich lese nicht, ich schreibe nicht…
Wie ich es schaffe mich zu äußern in Wort und Schrift?!
Ganz einfach, vor ca. drei Jahren, fast überall –
stieß ich durch einen Selberweiterentwicklungszufall
auf den Einschaltknopf ohne viele Fehler,
des mit meinem Hochleistungsrechner,
im Gehirn, integriertem Druck:

Zu meinen Gedanken, meinen Empfindungen,
zu all meinen Wahrnehmungen,
gibt es in Reinheit und Echtheit den Ausdruck,
über meinen Mund,
oder meine Hand,
mit einem Stift,
mit all ihren lieblichen Fehlern.
… und schaust Du in mein Gesicht,
siehst Du mein Lächeln.

Monika Herbrand

Kontakt:
http://www.wenn-ich-tanzen-will.de
http://www.autismus-bilder.de
http://www.monika-herbrand.de
http://www.autismus-stark.de

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Über Gast

Gastartikel über Lernprobleme: Birgit Sommer schreibt einfache Geschichten für Leseanfänger. Da nicht nur Legastheniker davon profitieren, werden hier auch Gastartikel über Lernprobleme und lesen lernen bei Lernproblemen veröffentlicht. Fachartikel sowie Erfahrungsberichte über AD(H)S, Autismus, DAF, DAZ, DS, LRS, ... sind herzlich willkommen.
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