Das Leseverständnis beim Lesen lernen

9783861961710Wie lernt unser Gehirn lesen?
4. Leseverstehen / Textverständnis
Das Gehirn erwirbt nach und nach die Fähigkeit zu lesen.
Sobald das Gehirn das geschriebene Wort von der Form her erkannt hat, muss die Bedeutung rekonstruiert werden. Das ist der wichtigste Schritt beim Lesen, dass man versteht, was man liest. Bei einem geübten Leser finden diese beiden Vorgänge fast gleichzeitig ab.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie ein Wort erkannt wird, entweder über die phonologische Erschließung (wie spricht man ein Wort aus) oder über die visuelle Erkennung (z.B. Logos, Piktogramme, chinesische Schriftzeichen).

1. phonetische Erschließung
Bei einem Wort, dessen Aussprache sich leicht rekonstruieren lässt steht die phonologische Aktivierung im Vordergrund und erst später erschließen wir die Bedeutung des Wortes. Auch dieser Mechanismus muss erst eingeübt werden. So lesen einige Leseanfänger z.B. flüssig, verstehen aber nicht was sie lesen, da sie sich noch zu sehr auf die phonetische Umsetzung konzentrieren müssen.

2.1 visuelle Erkennung
Die Ganzworterkennung lässt sich wiederum aufteilen in einfache Wörter, die durch ihre Häufigkeit (der, und, …) und/oder optische Klarheit (Bilder/Logos) schnell erkannt werden. Hier wird das Wort zuerst erkannt, dann folgt die phonetische Umsetzung.

2.2 visuelle Erschließung
Ist das Wort aber sehr unregelmäßig und die Aussprache daher nicht von großem Nutzen, wird die Bedeutung des Wortes direkt erschlossen. Obwohl das Sprachzentrum nicht aktiviert wird, werden die einzelnen Buchstaben genau angesehen, da es sich ja um ein eher unbekanntes Wort handelt. Dieses Phänomen kennen wir Erwachsenen beim Lesen einer Fremdsprache. Leseanfänger sind mit solchen Wörtern noch völlig überfordert.

Was hat die Aussprache mit der Bedeutung zu tun?
Das Erkennen eines Wortes, egal ob über die Aussprache (akustische Wahrnehmung) oder über das Wortbild (visuelle Wahrnehmung) finden in der linken Gehirnhälfte statt, während die Bedeutung eines Wortes in der rechten Gehirnhälfte erkannt wird. Hierzu werden die analytischen / mathematischen Fähigkeiten des Gehirns aktiviert.

Damit ein schneller Austausch zwischen beiden Gehirnhälften erfolgen kann, ist der Hirnbalken von zentraler Bedeutung. Dieser ist bei guten Lesern, wie auch Sportlern gut ausgeprägt. Aus diesem Grund kann man sagen: Legasthenietraining beginnt in der Turnhalle.

Zusammenfassung:
Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen den Klang von Worten erfassen und Fortschritte beim Lesen lernen. Aus diesem Grund ist es wichtig Leseanfängern am Anfang nur einfache Wörter und Sätze zu lesen zu geben. Wir erwarten aber, dass sie ihnen unbekannte Wörter gleich zu Beginn des Leselernprozesses noch dazulernen.

Abschließend ein paar Beispiele an zu langen, bzw. unbekannten Worten,
die schnell fehlinterpretiert werden können:
Blumento-pferde sind keine Pferde sondern Blumen-topf-erde
Todenko-pfäffchen sind keine Pfarrer sondern Toten-kopf-äffchen
Im-po-nieren sind nicht Nieren im Po
Helle-barden sind keine klugen Sänger
Prophy-laxe hat nichts mit gutem Lachs zu tun

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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