Was ist Lesen?

Wie lernt unser Gehirn lesen?
9783861961710Können wir uns noch an den zauberhaften Moment erinnern, als die Buchstaben ihr Rätsel preisgaben und uns den Weg des Lesens öffneten? Das ist der Moment, ab dem wir verstehen was wir lesen und nicht nur die Buchstaben aneinander reihen. Somit stellt sich die Frage:

1. Was ist Lesen oder Schreiben?
Lesen und Schreiben sind Prozesse um schriftliche Informationen auszutauschen und zu verstehen.

Durch die Fähigkeit zu Lesen, bekommen wir Zugang zu einer Welt, in der wir mit vielen Zeichen konfrontiert werden. Jeder der Lesen kann, dem kommt Lesen so einfach vor, dass er sich gar nicht vorstellen kann, wie kompliziert die Vorgänge beim Lesen im Gehirn wirklich sind.

Unser Gehirn ist eine Art Mosaik, das aus vielen Puzzleteilen besteht, die alle auf die Verarbeitung bestimmter Informationen spezialisiert sind. Im Gehirn gibt es viele spezialisierte Regionen, aber keinen eigenen fürs Lesen oder Schreiben.

Meistens wird das Lesen lernen, dem Schreiben lernen gleich gesetzt, nur weil wir dazu die gleichen Zeichen verwenden, obwohl es genau die umgekehrten Funktionen im Gehirn sind. Vergleichen wir das Erlernen einer Schriftsprache mit dem Schwimmen lernen, dann wird uns das vielleicht bewusst, dass beides separat gelernt werden muss:

Zum Schwimmen muss man sich auf dem Wasser halten können. Wer Schwimmen kann, kann dies auch ohne Bewegungen (nicht ein Schwimmanfänger). Die einzelnen Schwimmstile, wie Brustschwimmen, Rückenschwimmen und Kraulen muss man separat lernen. Das geht nicht so leicht wie bei einem Tanz, wo man sich „nur“ eine bestimmte Schrittfolge einzuprägen braucht und selbst dass verlangt einiges Können.

Für die Schriftsprache muss man die Buchstaben kennen. Zum Schreiben muss man Wörter in einzelne Laute zerlegen und die Laute in Buchstaben umwandeln. Zum Lesen ist das genau umgekehrt, das heißt wir müssen Buchstaben in Laute umwandeln und diese wieder flüssig an einander reihen. Schriftliche Informationen können wir nur verstehen, wenn uns die Schrift(zeichen) bekannt sind. Das Kennen der Zeichen allein genügt nicht, der Leser muss sich auch an die vereinbarte Schriftrichtung halten.

Wie oben erwähnt, wer die Schriftsprache beherrscht, dem ist die erstaunliche Komplexität der Vorgänge, die sich in unserem Gehirn beim Lesen abspielen, gar nicht bewusst. Es kommt uns so selbstverständlich vor wie Laufen oder Sprechen. Dabei gibt es in unserem Gehirn gar keinen Bereich fürs Lesen oder Schreiben, sondern es ist ein Zusammenspiel mehrerer Hirnareale. Dazu muss man die Mechanismen des Lesen Lernens erst einmal verstehen.

Somit stellen wir uns die Frage: Was ist Lesen?
Das Entziffern und Dekodieren vieler geschriebener Zeichen. Aber Lesen ist mehr, als das Entschlüsseln der Zeichen, mehr als das Aneinandereihen von Buchstaben in der richtigen Reihenfolge. Es muss auch die Bedeutung der Wörter klar sein. Erst durch das Verstehen wird lesen zum Lesen.

Lesen bedeutet nicht nur, schriftliche Zeichen wahrzunehmen und Lauten zuzuordnen, Synthese durchzuführen und Sinn zu entnehmen. Beim Lesen werden Hypothesen gebildet getestet und korrigiert. Ja, das Gehirn jedes Lesenden birgt ein Netz vieler Verbindungen, die das Lesen erst möglich machen.

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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