Sprechen, Lesen, Schreiben lernen

Schlecht sprechen -> schlecht schreiben


Foto: privat

Die Ursachen, warum ein Kind eine Sprache schlecht spricht, können gegensätzlicher kaum sein:
1. Fremdsprache
2. Entwicklungsstörungen oder Teilleistungsstörungen
3. Angeborene Fehlbildungen des Auges, des Ohres, des Gesichtes oder des Halses, z.B. Lippen-/Kiefer-/Gaumenspalte.

Ist die angeborene Fehlbildung ausgeglichen, z.B. durch eine Brille, Hörgerät oder OP, so provitiert auch dieses Kind von Wahrnehmungsübungen und logopädische Sprachübungen, die Grundlage einer jeden logopädischen Therapie sind.

Wenn Kinder Probleme beim Sprechen lernen haben, führt dies oft zu Problemen beim Schreiben lernen. Um besser zu verstehen, wie wichtig die Schulung der akustische Wahrnehmung fürs Sprechen und Schreiben lernen ist folgt hier ein kleiner Überblick zur Phonetik:

Phonetische Differenzierung (Lautdifferenzierung)

1. Akustische Figur-Grund-Wahrnehmung:

Das Vorschulkind muss das Wesentliche aus dem Gehörten erfassen können (Wörter verstehen/Tierlaute unterscheiden).
-> Die Lautdifferenzierung ist Voraussetzung für ein Umdenken der Laute in die richtigen Buchstaben.

2. Akustische Differenzierung:

Das Vorschulkind kann aus dem Gehörten Wörter, Silben, Reime oder Buchstaben erfassen oder ähnlich Klingendes unterscheiden.
-> Ein jedes Schulkind muss Silben identifizieren, Silben segmentieren, Reimwörter auditiv und visuell identifizieren. Hier ist es wichtig, dass das Kind die ähnlich klingende Laute voneinander unterscheiden kann.

3. Akustisches Gedächtnis

Das Vorschulkind sollte sich Gehörtes merken und wiedergeben können.
-> Ein Schulkind muss die verschiedenen Laute, im Wort erkennen um dies problemlos als Buchstaben schreiben zu können.

1. Glyphen

Glyphen nennt man die unterschiedliche Darstellung der einzelnen Laute als Buchstaben in Form von verschiedenen Schriftarten, z.B. verschiedene Druckschriften oder Schreibschriften.

2. Allographen

Wenn ein gleiches Phonem (kleinste Lauteinheit) unterschiedlich dargestellt werden kann, nennt man deren unterschiedlichen Abbildungsmöglichkeiten Allographen, z.B.:
a = a, aa, ah / f = f, v, ph.
Dies lässt sich auf Doppellaute (ai = ei, ai) oder Lautverbindungen (ks = ks, x, chs) übertragen – mehr dazu unter Grapheme.

Das dies ein Problem beim Schreiben lernen ist, ist jedem Grundschullehrer bewusst; weshalb die Bildung der ersten Wörter und Sätze von den Schülern auf die unterschiedlichsten Vatianten erfolgen darf (lautgetreu schreiben).

3. Grapheme

Viel komplexer als Glyphen oder Allographen sind jedoch Grapheme. Ein Graphem ist die kleinste, einer Bedeutung oder einem Laut repräsentierende Einheit in der geschriebenen Sprache:
– einzelne Buchstaben „a“, „m“ oder
– definierte Buchstabenkombinationen „ei“

Dieser Problematik kommen Lehrer im Anfangsschreibunterricht der Schule mit der lautgetreuen Schreibung entgegen. Wie können nun Lehrer ihre Schüler beim Lesen lernen besser unterstützen?

Grundschüler müssen nicht nur sofort (wenn auch mit Anlauttabelle) 52 unterschiedliche Grapheme (Buchstaben) wiedererkennen, sondern auch noch die unterschiedliche Bedeutung der Grapheme (auch wenn 2 oder 3 in Verbindung stehen und somit ein neues Graphem bilden, z.B. „st“) erkennen und wiedergeben.

Somit kann ein Schüler beim Lesen nicht Buchstabe für Buchstabe aneinanderreihen und dann ein sinnvolles Wort wiedergeben. Denn ein Graphem entspricht üblicherweise einem Phonem, doch in Kombination mit anderen Graphemen modifiziert es die Aussprache, wodurch neue Grapheme: Digraphen (ch) und Trigraphen (sch) entstehen.

Während des Studiums haben Lehrer gelernt, dass man die Zuordnung von einem Phonem zu einem Graphem in der Linguistik Phonographie nennt, hier eine kleine Aufstellung dazu:

Vokale (Selbstlaute)
Sollten möglichst am Anfang des Leselernprozesses beigebracht werden.

Vokalverbindungen

  • Diphthong = Doppellaut (Bildung aus zwei unterschiedlichen Vokalen: ei, au, äu, eu, ai, ui)
  • Hiat: (2 aufeinanderfolgende Vokale in 2 unterschiedlichen Silben, z.B. Radi-o, Kastani-e)
    Dieselbe Vokalkombination gibt es als Diphthong (heu-te) oder Hiat (Mu-se-um).
  • Dehnung: (ie, aa, ee, oo)
    Dieselbe Vokalkombination gibt es auch als Dehnung (vie-le) oder Hiat (Fa-mi-li-e).
  • Konsonanten (Mitlaute)
    – Dehnbare Konsonanten (l, m, n, s, …) sollten vor den
    – Verschluss-/Plosivlauten (b, p, d, t, g, k, …) eingeführt werden.

    Konsonantencluster / Konsonantenhäufung,
    auch Konsonantenreihe oder Konsonantenverbindung genannt

  • Konsonantendopplung (nn, z.B. können)
  • Digraph oder Trigraph
    (werden in der Lautschrift oft durch ein eigenes Zeichen „ph, th, uh, ch, sch, …“ abgebildet)
    – modifiziert vorangegangenes Graphem (z.B. Milch, Delphin)
    – verdeutlicht die Aussprache (Dehnungs -h, z.B. Reh)
    – bleibt stumm, z.B. Thermometer
  • Lautverbindung (ks, pf, ng …)
  • Lautverbindung als Digraph/Trigraph (st-/sp-, chs, …)
  • Schlussfolgerung

    Wie man aus dieser Aufstellung ersehen kann, hat die deutsche Schriftsprache keine eindeutige Buchstabe-/Lautzuordnung. Wie soll da ein Kind, das Probleme beim Sprechen hat, diese Feinheiten auch noch erkennen?

    Da bekanntlich aus einem gutem Leser meist ein guter Schreiber wird, sollte man gerade bei Kindern mit Sprachstörungen zuerst die Lesekompetenz fördern.

    Um den Kindern einen schnelleren Lern-, sprich Leseerfolg, zu gewährleisten, sollten Lehrer für ihre Schüler spezielle Texte oder Arbeitsblätter zur Verfügung haben, bei denen die Kinder zuerst das Zusammenziehen der einzelnen Buchstaben zu einem Wort trainieren können.

    Erst im späteren Verlauf sollten Diphthonge/Digraphen/Trigrahen/Umlaute sowie Fremdwörter, die von der deutschen Phonetik abweichen, von den Lehrern eingeführt werden.

    Aufgrund der positiven Resonanz aller Schüler, denen diese Geschichten der Reihe „SELBER LESEN, Stufe A von Birgit Sommer“ als Testleser vorgelegen haben, ließ der CES-Verlag sie neu illustrieren und – mit kleinen Übungen versehen – drucken.

    Bisher erschienen:

    – Hallo, wir sind Mara und Timo: ISBN 978-3-933651-30-3
    – Der Herbst mit Mara und Timo: ISBN 978-3-933651-31-0
    – Unterwegs mit Mara und Timo: ISBN 978-3-933651-32-7
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    © Birgit Sommer

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    Über Birgit Sommer

    Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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