Über Legastheniker und Erwartungen an Erstlesebücher

Auszug aus meinem Vortrag über Legastheniker
mit Vorstellung der neuen Reihe „SELBER LESEN“

Legastheniker brauchen länger bis sie lesen können. Aber auch ein Legastheniker muss lesen können, daher ist es wichtig auch bei einem Legastheniker die Freude am Lesen zu wecken!

Über Legastheniker:
– Leselernprozess
– Leseverständnis
– Lesemotivation
– Erwartung an Erstlesebücher
– Die Herausforderung an Autoren
– Erlernt ein Jeder das Lesen?
– Die Freude am Lesen
– Empfehlung von Stiftung Lesen

Was hebt nun diese Buchreihe von bisheriger „Erstleserliteratur“ ab?
Sie schließt die Lücke zwischen der Fibel und den Erstlesebüchern.

Ich unterscheide absichtlich zwischen einem Legastheniker und Erstlesern. Ein Erstleser kann schon lesen, während ein Legastheniker sich noch mit dem Erkennen und zusammensetzen der Buchstaben abmüht.

Durch das Auslassen der „Stolpersteine“, wie „ei“, „au“, „eu“ wird das Lesen für Legastheniker flüssiger und sie erfassen den Textinhalt besser.

Leselernprozess
Mit Hilfe der Anlauttabelle kann ein Legastheniker erste einfache Wörter selber lesen. So versuchen viele legasthene Anfangsleser, alle Schilder (auch während einer Autofahrt) zu buchstabieren: „A, AU, AUS, AUSF, eh, du fährst zu schnell“.

So mancher denkt dann: „Super mein Kind kann schon lesen.“ Aber das Kind müht sich in diesem Stadium noch mit dem Erkennen und zusammenziehen der einzelnen Buchstaben ab.

Darum sollten wir es den Legasthenikern in der 1./2. Klasse nicht unnötig schwer machen und bei der Auswahl der Wörter für Lesetexte auf sie Rücksicht nehmen und keine Kombinationslaute oder Dehnungen verwenden.

Beim Erlernen der Schriftsprache handelt es sich im übertragenen Sinn um das Erlernen einer neuen Sprache. Aus dem Fremdsprachenunterricht haben wir gelernt, dass die Schriftsprache von der gesprochenen Sprache abweicht.

Dieser Ansatz wird beim Schreiben lernen berücksichtigt. Doch ist es ein Unterschied, ob ein Schreibanfänger einem Laut ein bestimmtes Zeichen zuordnen soll oder der legasthene Leseanfänger umgekehrt. Für ein erstes Lesen brauchen Legastheniker einfache, nicht nur kurze Texte.

Um einem Legastheniker ein flüssiges Lesen von Anfang an zu bieten, verwende ich nur lautgetreue Wörter. Weiterhin sind alle Sätze nur einzeilig. das hilft, den Textinhalt besser zu verstehen.

Leseverständnis durch lautgetreue Texte

Leider ist lesen in den ersten Lesejahren oft Schwerstarbeit. Daher hört man oft von Legasthenikern: das Lesen wäre langweilig. Wobei die Leseanfänger sehr oft missinterpretiert werden und man nach spannenderen Geschichten sucht.

Dabei verstehen Legastheniker nur meist nur nicht was sie zusammenbuchstabieren. Denn zu Beginn des Leselernprozesses, lesen Kinder Buchstabe für Buchstabe und einem Legastheniker ist oft nicht bewusst, was er gelesen hat.

Die Geschichten von „Mara und Timo“, bedingt durch ihre lautgetreue (aber korrekte) Schreibung, berücksichtigen genau dies. So verstehen die Kinder und Legastheniker von Anfang an, was sie lesen.

Vielen Lehrern der 1. und 2. Klasse ist bewusst, dass das Leseverständnis erst später kommt. Aber warum? Dies hat sich anscheinend noch niemand gefragt.

Da lesen am Anfang anstrengend ist, vermeide ich in der Reihe „SELBER LESEN“ jeglichen Kombinationslaut (ei, ie, ch, sch). Dadurch wird das Lesen flüssiger und den Legasthenikern fällt es leichter, den Sinn der Geschichte zu erfassen und zu behalten.

Lesemotivation

Wenn Legastheniker endlich mit mehr oder weniger Mühe gelernt haben die Buchstaben zu Wörtern zusammen zu setzten, dann wollen sie auch lesen!

Was unterscheidet nun ein Erstlesebuch von einem Bilderbuch? Meist nur die Fibelschrift.

Auf der anderen Seite aber soll ein Legastheniker z.B. die verschiedenen Varianten eines „S“ kennen und sofort erkennen. Wann spricht man „S“, wann „sch“?
Häuschen spricht man nicht Häu-sch-en, sondern Häus-chen. Und wie spricht man sp-/st-? Z.B. schreibt man Obstmesser mit „-st“, aber Brombeerstrauch mit „scht-“.

Besser ist, man schreibt anfänglich alles lautgetreu, bzw. buchstabengetreu. So motiviert man Leseanfänger und Legastheniker zum Weiterlesen, das schreibt auch Stiftung Lesen.

Erwartung an Legastheniker-, bzw. Erstlesebücher

Die Anforderungen an ein gelungenes Buch für Leseanfänger und Legastheniker sind durchaus anspruchsvoll, denn es soll:

– Lesefähigkeit trainieren
– den Lesefluss fördern und sich von kurzen, leicht zu lesenden Wörtern zu schwierigeren Begriffen steigern (nicht gleich damit anfangen)
– eine klar erkennbare Erzählstruktur haben (Legastheniker haben oft noch Probleme mit der indirekten Rede, erst am Ende eines Satzes erfahren die Kinder wer das wie gesagt hat. Besser ist daher direkte Rede mit Einleitungssatz)

Erstlesebücher sollten aber auch:

– Neugierde wecken
– spannend, kurzweilig, witzig und einfallsreich sein
– Denkanreize geben
– vielfältig und fantasievoll in der Wortwahl sein
– und führt an komplexere Geschichten heran

All dies habe ich bei der Reihe „Mara und Timo“ berücksichtigt. In jeder Geschichte gibt es mehrere Handlungen und nicht nur Beschreibungen, d.h. es passiert sehr viel.

Ganz wichtig für ein gelungenes Buch für Legastheniker sind auch die Illustrationen. Dabei sollte das Bild aber nicht zu viel von einer Geschichte verraten, sondern Neugierde auf diese wecken.

Dies ist Tanja Jacobs mit ihren lebendigen, farbenfrohen Zeichnungen zweifellos gelungen!

Die Herausforderung an Autoren

Die Geschichten für Legastheniker sollen interessant und abwechslungsreich sein und trotzdem einfache Wörter enthalten.

Wie bin ich da vorgegangen? Mit Hilfe des Grundwortschatzes und Kinderlexika habe ich nach lautgetreuen Worten gesucht und die ersten Geschichten geschrieben, von denen einige in: „Hallo, wir sind Mara und Timo“, Verwendung fanden:

Obwohl legasthene Leseanfänger das selberlesen noch ganz neu erlernen, kennen sie durch Bilderbücher, Vorlesegeschichten und Kassetten längere Geschichten und erwarten von Erstlesebüchern entsprechendes.

Weil sich Legastheniker anfänglich beim Selberlesen noch keine langen Handlungen merken können, sollten die Geschichten keine langen Beschreibungen oder lange Dialoge haben. Denn dies würde für anfangslesende Legastheniker viel zu schnell langweilig werden. Trotzdem wollen sie gerne vielschichtige Handlungen lesen.

Die Gemeinsamkeiten vom Lesen Lernen und einem Musikinstrument erlernen

Anfänger benötigen eine Menge Ermutigung, nicht Entmutigung! Dies weiß ein jeder Musiklehrer! Auch der anfangslesende Legastheniker benötigt baldigen Erfolg – Leseerfolg.

Ein Musikschüler hat mit dem Erkennen und Wiedergeben der einzelnen Noten schon so viel zu leisten, dass er anfänglich mit dem Erkennen von Noten mit # oder b-Vorzeichen überfordert wäre.

Anfangslesende Legastheniker haben mit dem Erkennen der einzelnen Buchstaben, schon so viel zu leisten, dass sie mit dem Erkennen der Buchstabenkombinationen oft überfordert sind.

Aus diesem Grund sind die Geschichten der „SELBER LESEN“ – Reihe lautgetreu, aber korrekt geschrieben und ein erstes Lesen von Texten und Geschichten wird so vereinfacht.

Welcher Musiklehrer käme auf die Idee seinem Musikschüler im 1. Lehrjahr die „Zauberflöte“, welche nur so vor # und b-Vorzeichen strotzt, anzubieten, nur weil er einen Sonderdruck mit je 5 Takten pro Seite entdeckt hat.

Genau dies sollten wir auch bei einem Legastheniker berücksichtigen: Bei der Stufe A, der Reihe „SELBER LESEN“, verwende ich aus diesem Grund nur Wörter ohne „Kombinationslaut“, das heißt die Wörter werden so gelesen, wie sie geschrieben sind.

Erlernt ein Jeder das Lesen?

Wenn ich meiner Verwunderung über die vielen schwierigen Erstlesetexte laut äußerte, erntete ich oft nur Verwunderung:
Es hätte noch ein jeder Lesen gelernt. Laut einer Studie haben bis zu 20% der Kinder Probleme beim Lesen lernen. Genau deshalb braucht man spezielle Programme für Legastheniker.

Wir sollten jedem Legastheniker dabei helfen, zu einem guten Leser zu werden! Wer die Schule verlässt, ohne fließend lesen zu können, hat in unserer Gesellschaft auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen. Leider gibt es mehr Schulabgänger bei denen dies der Fall ist, als man annimmt. Laut Umfrage gibt es in Deutschland 5-10 % Analphabeten.

Die Hefte „Mara und Timo“ können sowohl in der Leseförderung der Grundschule, als auch zu Hause eingesetzt werden. „Es ist wichtig, bei Kindern die Lust am Lesen zu wecken.

Die Freude am Lesen

Aber geht es nur ums Lesen lernen oder auch darum einem Legastheniker die Freude an Büchern zu vermitteln? Mit den Heften der „SELBER LESEN“ – Reihe machen wir einem Legastheniker den Lesestart etwas leichter und motivieren ihn so zum Weiterlesen“.

Wie Sie sich überzeugen konnten, berücksichtigen die Geschichten der Reihe „SELBER LESEN“ alle wichtigen Punkte, die man von einer guten Literatur für Legastheniker erwartet.

Bisher ist die A-Stufe erschienen. Weitere Geschichten, die die sogenannten „Stolpersteine“ schrittweise einüben sind in Vorbereitung.

Stiftung Lesen schreibt 2009 unter der Rubrik: „Die Schule geht los“:
„Die neue Reihe „SELBER LESEN“ wurde speziell für Leaeanfänger und Kinder mit Leseschwäche entwickelt, indem Stolpersteine wie Umlaute (ä, ö, ü, äu), Vokalverbindungen (ei, eu, au) und dergleichen vermieden werden, gelingt es den Kindern leichter, den Textinhalt zu erfassen und schneller Erfolgserlebnisse im eigenständigen Lesen zu verbuchen. So motiviert man Kinder ab ca. 6–7 Jahren!“

© 2010 Birgit Sommer

 

Geschichten und Texte von Birgit Sommer
Mara und Timo – Die Reihe für Legastheniker
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Über Legasthenie/Legastheniker

Für Leseanfänger und Legastheniker, d.h. bei Legasthenie: Einfache Texte zum Buchstaben wiederholen und flüssig lesen lernen von Birgit Sommer.
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