Behandlung von Legasthenie


Behandlung von Legasthenie

Legasthenie kann verbessert werden, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Viele glauben, dass Legasthenie heilbar ist. Leider ist Legasthenie nicht heilbar, da die gleichen Symptome bei einer jeden neuen Fremdsprache wieder auftreten. Aber je früher die Behandlung von Legasthenie begonnen wird, desto größer ist der Erfolg der Behandlung durch der die Legasthenie kompensiert werden kann.

Da es sich in der Behandlung von Legasthenie bewährt hat, auf die Stärken, anstelle auf die Schwächen einzugehen, sollte man auf eine vorangegangene Lernstufe zurückgehen, die das Kind mit Legasthenie hat und von dort aus in langsamen Schritten weiterarbeiten.

Wichtiger Hinweis für die Behandlung von Legasthenie:
Kinder mit Legasthenie sollten grundsätzlich nur richtig geschriebene Wortbilder sehen. Übungen, bei denen ein falsch geschriebenes Wort gezeigt wird und die Kinder Fehler suchen müssen, sollten ganz vermieden werden.

Anamnese / Fehleranalyse zu Beginn einer Behandlung von Legasthenie
Bei allen Kindern mit der Diagnose Legasthenie sollte zu Beginn einer Behandlung eine Anamnese (Fehleranalyse) durchgeführt werden. Hierzu können, die unter Diagnose genannten Tests herangezogen werden, um die speziellen Schwierigkeiten im Lese- und Rechtschreibbereich des von Legasthenie betroffenen Kindes zu erkennen.

Meist wird nur analysiert, auf welcher Stufe der Rechtschreibung sich der Legastheniker befindet (alphabetisch oder orthographisch, siehe Symptome der Legasthenie), aber genauso wichtig wäre die Analyse auf welcher Stufe der Lesekompetenz befindet sich das Kind mit Legasthenie (siehe Stufen des Leselernprozesses).

Behandlungsplan bei Legasthenie
Der Therapieplan sollte sich an den Bedürfnissen des von Legasthenie betroffenen Kindes orientieren. Was ist zuerst nötig?

– Welche Lerneinheiten im Bereich Lesen
– Welche Lerneinheiten im Bereich Rechtschreibung
– Welcher Lerntyp ist das Kind?
– Lernstrategien entwickeln (Schwächen durch Stärken ausgleichen)
– Möglichst alle Sinne (Sehen, Hören, Fühlen, Greifen) mit einbeziehen
– Größe der einzelnen Lernschritte (Frustrationstoleranz/ Motivationsaufbau, Selbstwertgefühl)
– Konzentrations-, bzw. Aufmerksamkeitstraining
– Konfliktbewältigung: Eltern – Kind
– Konfliktbewältigung: Lehrer – Kind

Lesetraining bei Legasthenie
Zur Verbesserung der Lesefähigkeit, muss vor Beginn die Kenntnis der Buchstaben, Diphthonge, Konsonantenkluster, Umlaute usw. geprüft werden. Um das Zusammenschleifen der einzelnen Buchstaben zu üben sollten anfänglich nur Wörter verwendet werden, die buchstabengetreu gelesen werden, d.h. erst Wörter, dann Texte ohne Diphthonge, Konsonantenkluster, …

Denn bei diesen speziellen Lerneinheiten wie, z.B. Dehnungen und Dopplungen ist darauf zu achten, dass diese nicht zu früh eingeführt werden, d.h. dem Leistungsniveau der Kinder angepasst sind um eine Überforderung zu vermeiden. Auch sollten die Wörter und Sätze am Anfang nicht zu lange sein. Das Auge muss erst darauf trainiert werden, immer längere Wörter mit einem Blick zu erkennen.

Damit Kinder mit Legasthenie möglichst bald zu einem sinnerfassenden Lesen kommen, brauchen sie kurze Sätze (nur eine Zeile lang), mit kurzen Wörtern und ohne komplizierte Buchstabengruppen wie Diphthonge, Konsonantenhäufungen, usw. dies findet man in folgenden Geschichten:
-> Mara und Timo von Birgit Sommer

Ist diese Stufe des Lesen Lernens bei einem Kind mit Legasthenie ausreichend gefestigt, kann man an das Erlernen der „Ausnahmen“ gehen (Diphthonge, Konsonantenkluster, Umlaute d.h. der Buchstaben die durch ihr Zusammenspiel eine Lautwertveränderung zur Folge haben.
-> Hinweis auf die einzelnen Lesestufen
Erst wenn ein Kind mit Legasthenie diese Lesestufen alle beherrscht, sollte man an die selteneren Fälle wie sogenannte Fremdwörter gehen (orange, Jeans, …).

Rechtschreibtraining bei Legasthenie

Phonologische Bewusstheit
Zur Schulung der Phonologischen Bewusstheit gibt es verschiedene Programme, die breits Erfolgreich in Kindergärten eingesetzt werden, z.B. das Würzburger Sprachtraining.

Alphabetische Stufe
Legastheniker, die noch große Probleme in der alphabetischen Stufe haben, sollten noch kein Training in der orthographischen Stufe durchführen, da sie oft noch Probleme mit der Laut-Buchstabenzuordnung haben, evtl. muss man mit ihnen erst ein Training zur phonologischen Bewusstheit durchführen.

Legastheniker in der alphabetischen Stufe profitieren vom synchronen Sprechschreiben / lautgetreuem Schreiben. Denn es gibt oft noch Probleme bei der Laut-Graphem-Zuordnung. Um den Kindern hier die Scheu vor dem Schreiben zu nehmen dürfen sie in dieser Phase noch lautgetreu schreiben („ai“ anstelle von „ei“, „scht“ anstelle von „st“). -> Kieler Leseaufbau

Orthographische Stufe
Da es in der deutschen Rechtschreibung sehr viele Wörter gibt, deren Rechtschreibung weder akustisch noch logisch hergeleitet werden kann, z.B. Fuchs (Fuks?/Fux?) oder „dir“ aber „Tier“, ist die Merkfähigkeit sehr wichtig. Gute Vorübungen hierfür ist beispielweise Memory oder Übungen zur Raumlage Wahrnehmung.

Oft verwendete Wörter können gut mit einer Lernkartei geübt werden. Die Anzahl an Wörtern sollte aber 7 neue Wörter pro Einheit nicht überschreiten. Beim Legasthenietraining in der orthographischen Stufe kann man sehr gut auf bereits ausgearbeitete Programme zur Behandlung zurückgreifen. -> Marburger Rechtschreibtraining + Lautgetreue Rechtschreibtraining von Reuther Lier

Behandlung der psychischen Begleiterscheinungen bei Legasthenie
Im Gegensatz zur Legasthenie sind die Begleiterschienungen bei einer Legasthenie heilbar. Zur Behandlung der psychischen Begleiterscheinungen bei Legasthenie muss vorab eine genaue Diagnose durchgeführt werden. Hierbei kann es nötig sein, mit Eltern, Lehrern, bzw. weiteren Therapeuten zusammenzuarbeiten. Auch eine Gruppentherapie zur Steigerung des Selbstwertgefühls in einer Gruppe oder zum Aggressionsabbau in einer Gruppe kann für Kinder mit Legasthenie sehr hilfreich sein. -> Einige Methoden von THOP von Döpfner et al können nicht nur bei ADHS, sonder auch bei Legasthenie sehr gut eingesetzt werden.

Bezahlung einer Legastheniebehandlung
Laut Kinder- und Jugendhilfegesetz § 35a SGB VIII kann eine außerschulische Legasthenietherapie beantragt werden. Diese Behandlung wird im Normalfall von der Krankenkasse oder dem Jugendamt übernommen.

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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