PISA-Studie: Viele Schüler finden Lesen ist überflüssig

Trotzdem konnten sich 2009 bei der PISA-Studie
Deutschland/Schweiz und Österreich leicht verbessern

Obwohl vor Veröffentlichung des PISA-Ergebnisses bekannt wurde, dass sich die deutsch-sprachigen Länder beim letzten PISA-Test leicht verbessern konnten, sind ihnen die PISA-Spitzenländer noch immer 1-2 Schuljahre voraus. Der Schwerpunkt der diesjährigen PISA-Studie war Lesen und Textverständnis, sowie Mathematik und Naturwissenschaften. Verbessert haben sich die Schüler bei der PISA-Studie in Deutschland/Schweiz und Österreich vor allem in Mathematik und den Naturwissenschaften. Jedoch sind aufgrund des PISA Ergebnisses im Lesen weitere Anstrengungen nötig.

Was ist PISA?
Das „Programme for International Student Assessment“ (PISA) ist die internationale Schulleistungsstudie der „Organisation for Economic Co-Operation and Development (OECD). Anhand der PISA-Studie wird geprüft, inwieweit Schülerinnen und Schüler im letzten Pflichtschuljahr Kenntnisse und Fähigkeiten für eine volle Teilhabe in der Gesellschaft/Arbeitswelt erworben haben. Anhand der Ergebnisse der PISA-Studien kann man erkennen, ob und was im Bildungsbereich verändert werden sollte.

Die PISA-Studie 2009, deren Ergebnisse jetzt im Dezember 2010 veröffentlicht wurden, ist der vierte Vergleich in zehn Jahren. Die Abkürzung PISA steht für «Programme for International Student Assessment». Mit PISA untersucht die OECD seit 2000 alle drei Jahre die schulischen Fähigkeiten der Schüler. Bei der PISA-Studie werden die Kompetenz beim Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften geprüft.

Laut PISA kann ein Drittel der 15-/16-jährigen Schüler kaum Lesen
Die Leseprobe der PISA-Studie hat einmal mehr gezeigt, dass deutschsprachige Schüler Schwierigkeiten beim Lesen haben, denn 1/3 der 15- und 16-jährigen können nicht sinnerfassend lesen. Woran liegt das?
Die Buchstaben zu kennen und zu wissen, dass man sie von links nach rechts zusammenziehen muss, ist noch lange nicht Lesen können. Lesen bedeutet, Informationen aus graphischen Zeichen zu bekommen und zu verstehen, was sie bedeuten.
Um auf die fehlende Lesekompetenz aufmerksam zu machen, wurde in der PISA-Studie 2009 das Leseverständnis detailliert abgefragt. Das Ergebnis dieses PISA-Vergleichs ist erschütternd. Was kann man nun tun?

Leseförderung ist ein vielschichtiges Thema. Eine gezielte Leseförderung bedarf aller Stufen des Leselernprozesses. Hierzu ein kurzer Überblick:

1.) Für die Wahrnehmungsförderung wird in der Kindergartenarbeit immer mehr getan.
2.) Die Unterrichtskonzepte für den ersten Umgang mit Buchstaben werden immer besser.
3.) s.u.
4.) Das Textverständnis von immer längeren Texten wird geübt.
5.) Das Textverständnis von immer komplexeren Texten wird geübt.

Für 3.) gibt es zu wenig einfache Texte für Leseanfänger. Kürzere Texte, bzw. Texte in großer Schrift reichen zum Erlernen der Schriftsprache nicht aus. Eine Fremdsprache versteht man auch nicht deshalb besser, indem sie lauter gesprochen wird. Wenn vorangegangene Stufen nicht gefestigt sind kommt es zu Problemen in Stufe 4.) und 5.).

Aus den oben aufgeführten Gründen habe ich für meine Kinder ein neues Konzept zur Leseförderung entwickelt, das aus einfach zu lesenden Geschichten besteht:

zu 2.) Vorstufe: Wiederholung der Buchstaben (erst Vokale und stimmhafte Konsonanten, später Plosivlaute und seltenere Buchstaben).
zu 3.) Stufe A: lautgetreue Texte, nur aus buchstabengetreuen Wörtern
zu 3.) Stufe B: Stolpersteine wie „ei“, „eu“, „ch“, „sch“, „st-/sp-“ werden gezielt eingeübt.
zu 3.) Stufe C: Einfache Wörter, zzgl. alle Funktionswörter (ich, ihm, wie, …)
Auf diese simple Weise wird der Leselernprozess vereinfacht und bis zur nächsten PISA-Studie können dann bereits mehr Kinder gut lesen.
-> Die Stufen des Leselernprozesses im Detail

Diesen komplexen Prozess des Lesenlernens kann man in mehrere Phasen aufteilen. In der Leseforschung wird großes Augenmerk auf die „Textebene“, das Textverständnis gelegt.
Man sollte aber den Leselernprozess nicht wie eine Einbahnstraße betrachten, wenn Kindern das Textverständnis fehlt, ist oft eine Stufe davor nicht gefestigt, weshalb man sich für die einzelnen Stufen mehr Zeit lassen sollte oder gegebenenfalls diese wiederholen muss.
Nur so kann man die Lesekompetenz steigern und hoffentlich bei der nächsten PISA-Studie besser abschneiden.
-> Leseanfänger brauchen leichtere Texte als Erstleser!

Auf den sozialen Hintergrund kommt es an, besagt PISA
Laut PISA haben gerade Schulen mit einem erhöhten Anteil an sozial schwächer gestellten Familien und Familien mit Migrationshintergrund schlechter abgeschnitten. Auf der einen Seite haben bereits viele Eltern in ihrer eigenen Schulzeit aufgegeben, weshalb sie ein Schulversagen ihrer Kinder (welches oft auf fehlendes Leseverständnis zurückzuführen ist) tolerieren, auf der anderen Seite stehen oft mangelnde Deutschkenntnisse. Beide Ursachen können nicht vom Elternhaus ausgeglichen werden, sondern Lehrer und Schulen sind aufgefordert hier einzugreifen. Dies geht aber nur, wenn hierfür genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Gerade Kinder mit Migrationshintergrund haben es beim Lesen lernen besonders schwer, denn sie müssen neben den 52 Buchstaben noch die ganzen Ausnahmen (ie, ei, ch, sch, st-/sp-, Umlaute, …) erkennen, oft ohne dass ihnen ihre Eltern behilflich sein können.
Schon Deutsche Kinder haben hiermit ihre Schwierigkeiten, doch durch viel häusliche Leseförderung schaffen sie es meist irgendwann.
Um den Kindern den Lesestart etwas einfacher zu gestalten, habe ich das Lese-Schreib-Konzept mit der lautgetreuen Schreibung verfeinert und buchstaben-/lautgetreue Geschichten, in korrekter Rechtschreibung verfasst. So können Leseanfänger schneller flüssig lesen und verstehen von Anfang an, was sie lesen. Somit könnten wir bei der nächsten PISA-Studie besser abschneiden.

Die PISA-Studien finden alle paar Jahre statt
Immer mehr Länder nehmen an der PISA-Studie teil, der die schulischen Kompetenzen der Schüler vergleicht. Unsere Schülerinnen und Schüler haben sich seit der ersten PISA-Studie zwar leicht verbessert, wir bleiben aber noch immer 1-2 Schuljahre im Vergleich zu den PISA-Spitzenreitern zurück.
Dies mag auch daran liegen, dass das Vorschuljahr, in dem viele Kinder in anderen Ländern das lernen, was unsere Kinder erst in der 1. Klasse lernen, nicht mitzählt. Erschwert kommt hinzu, dass unsere Kinder erst mit 6-7 Jahren in die Schule kommen, anstelle bereits mit 5 und da schon die Buchstaben und Zahlen kennen.

Immer mehr Länder machen bei der PISA-Studie mit
2000 startete die erste PISA-Studie
Die Kultusminister der Länder haben gemeinsam den Beschluss gefasst, sich an der internationalen Schulleistungsstudie PISA (Programme for International Student Assessment) zu beteiligen. PISA ist Teil des Indikatorenprogramms INES (Indicators of Educational Systems) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Deren Zielsetzung ist es, OECD-Staaten Indikatoren für Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten von 15jährigen Schülern in den Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften zur Verfügung zu stellen. Der PISA-Vergleichstest umfasst verschiedene Schwerpunkte. Im ersten Zyklus (PISA 2000) stand der PISA-Vergleich von Leseverständnis, während Mathematik und die Naturwissenschaft im PISA-Test erst im Frühjahr 2000 stattfand, haben sich über 30 Staaten beteiligt.

2003 nahmen am 2. PISA Vergleich 41 Staaten teil, 2006 waren es bereits 57, die beim PISA-Test teilnahmen. Mit 65 beteiligten Staaten nahmen 2009 mehr Staaten als zu allen anderen PISA-Studien teil.

Besser in Mathematik als im Lesetest, besagt der PISA-Vergleich bei der PISA-Studie 2003, mit Schwerpunkt Mathematik, gelangte die Schweiz unter die «Top Ten» und schnitt und hob sich gegenüber ihren Nachbarländer Deutschland, Österreich und Frankreich ab. Für die PISA-Studie 2010 konnten jetzt Deutschland und Österreich aufholen.

Nachholbedarf bei der Förderung von Migranten besagt PISA
Aufgrund der PISA-Studien hat man eindeutig festgestellt, dass für Familien mit Migrationshintergrund sowie in sozial schwächer gestellten Familien ein höherer Förderbedarf besteht. Hier hat man Dank der einsehbaren PISA-Ergebnisse viel getan, trotzdem besteht hier weiterhin Nachholbedarf, damit man das nächste Mal besser bei PISA abschneidet und auch für alle Kinder eine Chancengleichheit erzielt.

Die PISA-Ergebnisse lösten bereis viele Reformdebatten aus
Die PISA-Studien lösten in vielen Ländern – eine starke Diskussion über das bestehende Schulsystem aus. Dabei geht um es Reformen im Kindergarten und um einen früheren Schuleintritt. Da Schulpolitik aber weder in Deutschland, noch der Schweiz zentral geregelt wird, lassen sich Reformen nur sehr schwer Landesweit durchsetzen.

Deutschland ist bei der PISA-Studie aufgestiegen
Deutschland ist eines der wenigen Länder das sein Ergebnis beim PISA-Vergleichstest stetig verbessern konnte. Die Politiker reagieren mit Erleichterung auf die verbesserten Ergebnisse beim PISA-Test. Da der Abstand zu den PISA-Spitzenländern aber noch beträchtlich ist, warnen Lehrer und Bildungsforscher vor einer zu schnellen Euphorie.

Aus der neuen PISA-Studie 2009 mit Schwerpunkt Lesen und Textverständnis geht hervor, dass beim Lesen liegen die deutschen Leistungen Durchschnitt, in Mathematik und in den Naturwissenschaften deutlich darüber. Liegen. Der PISA-Vergleich von 2009 zeigt, dass die Schüler beim Lesen von Texten über alle Schulformen hinweg recht schwach abgeschnitten haben.
Nur in Mathematik haben deutsche Schüler schon bei vorausgegangenen Pisa-Studien bessere Ergebnisse erzielen können.

Lehrerverbände fordern Investitionen statt Sparpolitik für Schulen
Anlässlich des jetzt (7. Dezember 2010) vorgestellten Ergebnisses der PISA-Studie 2009 fordern viele Lehrerverbände eine gemeinsame Politik gegen die soziale Spaltung im Bildungswesen. „Die leichten Verbesserungen bei den PISA-Tests geben Anlass zur Freude, aber nicht zur Selbstzufriedenheit. Es wäre völlig falsch, wenn jetzt Bund und Länder frei nach dem Motto `Hurra, wir sind Durchschnitt´ die Hände in den Schoß legen. Noch immer beträgt der Abstand zu den PISA-Spitzenländern Finnland und Korea mehr als ein Schuljahr. Noch immer kann man im PISA-Vergleich die soziale Spaltung in unserem Schulsystem erkennen. Die Bildungsrepublik Deutschland ist noch nicht in Sicht“, sagt Ingrid Sehrbrock (DGB).

Verlage sollten auf die Bedürfnisse von Leseanfängern besser eingehen
Nach den schlechten PISA-Ergebnissen veröffentlichen immer mehr Verlage neue Reihen für Erstleser, wobei sich die Konzepte meist unwesentlich von den Reihen anderer Verlage unterscheiden. Leseanfänger sind hiermit leider meist überfordert. Die Texte für Leseanfänger sollten buchstabengetreu ausgesprochen werden, dann können Geschichten nach der Silbenmethode folgen.

Mara und Timo
Die Reihe für Leseanfänger und zur Leseförderung

Geschichten und Texte von Birgit Sommer
Alle 3 Bücher im DinA5 Heftformat.
-> Tipp für Büchereien
Passende Fragen gibt es im Antolin.
-> Wer sind Mara und Timo?

Bezugsmöglichkeiten:
– über den Buchhandel
– direkt beim Verlag (siehe Startseite)
– über die online-Anbieter im Internet

Band 1: Hallo, wir sind Mara und Timo „Timo ist Maras Bruder. Was erleben Mara und Timo mit Eltern, Hund Linus und Timos Kumpel Peter?“
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PISA-Ergebnisse 2010 der PISA-Studie 2009

Leseprobleme:SchriftspracheFremdsprache DeutschPISA: Lesefrust?

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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