Die Stufen des Leselernprozesses, von der Wahrnehmung bis zum Textverständnis

Die Buchstaben zu kennen und zu wissen, dass man sie von links nach rechts zusammenziehen muss, ist noch lange nicht Lesen können. Lesen bedeutet, Informationen aus graphischen Zeichen zu bekommen und zu verstehen, was sie bedeuten.

Diesen komplexen Prozess kann man in mehrere Phasen aufteilen. In der Leseforschung wird großes Augenmerk auf die „Textebene“, das Textverständnis gelegt.
Man sollte aber den Leselernprozess nicht wie eine Einbahnstraße betrachten, wenn Kindern das Textverständnis fehlt, ist oft eine Stufe davor nicht gefestigt.

Anbei zwei Modelle zum Leselernprozess:

-> 1. Der Leselernprozess aus dem Blick der Leseforschung
-> 2. Der Leselernprozess mit dem Konzept von Birgit Sommer:
„Leseförderung mit buchstabengetreuer Schriftsprache“

1. Der Leselernprozess aus dem Blick der Leseforschung


Das Textverständnis
entwickelt sich erst in der Textebene

1. Wahrnehmung
Die Buchstaben gelangen als optische Reize auf die Netzhaut des Auges und die Information zum Gehirn weitergeleitet.
2. Wortebene
Verarbeitung des Wahrgenommenen im Gehirn.
2.1. Erkennen von Buchstaben
2.2. Erkennen von Buchstabenfolgen/-kombinationen
2.3. Erkennen von Silben/Wörtern
3. Satzebene:
Die Bedeutung der Wörter/Sätze verstehen
4. Textebene (alle Stufen des Textverständnisses):
4.1. Den Inhalt eines Textes verstehen
4.2. Gefühlsmäßige Bewertung (Emotion)
4.3. Informationen aus einem Text/einer Geschichte ziehen
4.4. Informationen aus einem Sachtext ziehen
4.5. Texte erschließen (verstreute Informationen erfassen)
-> Lesen hilft sich weiterzuentwickeln

Wenn aber eine vorangegangene Phase nicht beherrscht wird,
was man an mangelndem Textverständnis erkennen kann, muss erst darauf eingegangen werden!
Nicht lesen können, kann aber auch andere Ursachen haben:

zu 1.
Sollte ein Kind schlecht sehen, kann es die Buchstaben nicht erkennen und sollte ein Augenarzt aufgesucht werden.

zu 2.
– In vielen Kindergärten/Vorschuleinrichtungen werden die Verarbeitung
der akustischen und visuellen Wahrnehmung geschult.
– In der Schule lernen die Kinder die Buchstaben kennen, was die Voraussetzung für das erlernen der Schriftsprache ist.
Es gibt jedoch große Unterschiede, ob man Lesen oder Schreiben lernt:

-> zum einfacheren Schreiben lernen darf ein Kind lautgetreu Schreiben
(z.B. „ei“ wird als „ai“ geschrieben)

-> zum einfacheren Lesen lernen sollte es buchstabengetreue Texte lesen
(nur Wörter ohne „ei“, „ie“, „ch“, „sch“ sollten verwendet werden)
Auch sollten die Wörter und Sätze kurz gehalten sein.

Würde man hier im Deutschunterricht den Unterschied beachten, sowie den Kindern einfachere Texte (nicht nur kürzere) anbieten, so würde das Textverständnis einige Ebenen nach vorne rutschen und man könnte den Leselernprozess wie folgt aufteilen:

2. Der Leselernprozess mit dem Konzept von B. Sommer
„Leseförderung mit buchstabengetreuer Schriftsprache“


Das Textverständnis beginnt bereits
gegen Ende der Buchstabenebene.

1. Wahrnehmung
Die Buchstaben gelangen als optische Reize auf die Netzhaut des Auges und die Information zum Gehirn weitergeleitet.
2. Buchstabenebene
2.1. Erkennen und Zusammenschleifen der Buchstaben (Wortsynthese)
2.2. Die Bedeutung einfacher Wörter/Sätze verstehen
-> nur wer versteht was er liest, liest weiter!
2.3. Den Inhalt eines einfachen Textes verstehen (erstes Textverstehen)
3. Wort-/Satzebene
3.1. Erkennen von Buchstabenfolgen/-kombinationen (Ganzwortmethode)
3.2. Erkennen aller Wörter
3.3. Die Bedeutung aller Wörter/Sätze verstehen
3.4. Gefühlsmäßige Bewertung (Emotion)
-> Lesefreude (wer gerne liest, ließt weiter/mehr)
4. Textebene (vertieftes Textverständnis):
4.1. Informationen aus einem Text ziehen
4.2. Texte erschließen (verstreute Informationen erfassen)
-> Lesen hilft sich weiterzuentwickeln

Auf diese Weise setzt das Textverständnis früher ein!
Genau hier setzen meine Geschichten an.

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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