Ein Problem beim lesen Lernen:  Phonetik  (Lautlehre)

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Welche linguistische Vorüberlegungen haben Birgit Sommer zur Bildung der Leseanfängergeschichten, bei denen nur lautgetreue Wörter verwendet werden, geführt?

1. Glyphen

Glyphen nennt man die verschiedene Abbildung von Zeichen gleicher Bedeutung, wie Schriftarten/Fonds, z.B.: Fibelschrift, versch. Druckschriften, Schreibschrift, …
Beim Lesen lernen gehen Lehrer davon aus, dass ihre Schüler in der ersten Klasse mit dem Erkennen verschiedener Glyphen Probleme haben. Weshalb einige Erstklasslehrer im Anfangsleseunterricht nur einheitliche Blockbuchstaben verwenden, da sich hierdurch die Anzahl an Zeichen halbiert (auf 26, bzw. 29 wenn man die Umlaute mitzählt.)

2. Allographen

Wenn ein gleiches Phonem (kleinste Lauteinheit) verschieden dargestellt werden kann, nennt man deren verschiedene Abbildungsmöglichkeiten Allographen, z.B.:
a = a, aa, ah / f = f, v, ph.
Dies lässt sich auf auf Doppellaute (ai = ei, ai) oder Lautverbindungen (ks = ks, x, chs) übertragen – mehr dazu unter Grapheme.

Das dies ein Problem beim schreiben Lernen ist, ist jedem Grundschullehrer bewusst; weshalb die Bildung der ersten Wörter und Sätze von den Schülern auf die verschiedensten Vatianten erfolgen darf (lautgetreue Schreibung).

3. Grapheme

Viel komplexer als Glyphen oder Allographen sind jedoch Grapheme. Ein Graphem ist die kleinste, einer Bedeutung oder einem Laut repräsentierende Einheit in der geschriebenen Sprache:
– einzelne Buchstaben „a“, „m“ oder
– definierte Buchstabenkombinationen „ei“

Dieser Problematik kommen Lehrer im Anfangsschreibunterricht der Schule mit der lautgetreuen Schreibung entgegen. Wie können nun Lehrer ihre Schüler beim lesen Lernen besser unterstützen?

Grundschüler müssen nicht nur sofort (wenn auch mit Anlauttabelle) 52 verschiedene Grapheme (Buchstaben) wiedererkennen, sondern auch noch die unterschiedliche Bedeutung der Grapheme (auch wenn 2 oder 3 in Verbindung stehen und somit ein neues Graphem bilden, z.B. „st“) erkennen und wiedergeben.

Somit kann ein Schüler beim Lesen nicht Buchstabe für Buchstabe aneinanderreihen und dann ein sinnvolles Wort wiedergeben. Denn ein Graphem entspricht üblicherweise einem Phonem, doch in Kombination mit anderen Graphemen modifiziert es die Aussprache, wodurch neue Grapheme: Digraphen (ch) und Trigraphen (sch) entstehen.

Während des Studiums haben Lehrer gelernt, dass man die Zuordnung von einem Phonem zu einem Graphem in der Linguistik Phonographie nennt, hier eine kleine Aufstellung dazu:

Vokale (Selbstlaute)
Sollten möglichst am Anfang des Leselernprozesses beigebracht werden.

Vokalverbindungen

  • Diphthong = Doppellaut (Bildung aus zwei verschiedenen Vokalen: ei, au, äu, eu, ai, ui)
  • Hiat: (2 aufeinanderfolgende Vokale in 2 verschiedenen Silben, z.B. Radi-o, Kastani-e)
    Dieselbe Vokalkombination gibt es als Diphthong (heu-te) oder Hiat (Mu-se-um).
  • Dehnung: (ie, aa, ee, oo)
    Dieselbe Vokalkombination gibt es auch als Dehnung (vie-le) oder Hiat (Fa-mi-li-e).

 

 

Konsonanten (Mitlaute)
– Dehnbare Konsonanten (l, m, n, s, …) sollten vor den
– Verschluss-/Plosivlauten (b, p, d, t, g, k, …) eingeführt werden.

Konsonantencluster / Konsonantenhäufung,
auch Konsonantenreihe oder Konsonantenverbindung genannt

 

  • Konsonantendopplung (nn, z.B. können)
  • Digraph oder Trigraph
    (werden in der Lautschrift oft durch ein eigenes Zeichen „ph, th, uh, ch, sch, …“ abgebildet)
    – modifiziert vorangegangenes Graphem (z.B. Milch, Delphin)
    – verdeutlicht die Aussprache (Dehnungs -h, z.B. Reh)
    – bleibt stumm, z.B. Thermometer
  • Lautverbindung (ks, pf, ng …)
  • Lautverbindung als Digraph (st-/sp-, chs, …)

 

 

Um den Schülern einen schnelleren Lern-, sprich Leseerfolg zu gewährleisten, sollten Lehrer für ihre Schüler spezielle Texte oder Arbeitsblätter zur Verfügung haben, bei denen die Schüler das Zusammenziehen der einzelnen Buchstaben zu einem Wort trainieren können. Erst im späteren Verlauf sollten Diphthonge/Digraphen/Trigrahen/Umlaute sowie Fremdwörter, die von der deutschen Phonetik abweichen, von den Lehrern eingeführt werden.

Aufgrund der positiven Resonanz aller Schüler, denen diese Geschichten der Reihe „SELBER LESEN, Stufe A von Birgit Sommer“ als Testleser vorgelegen haben, ließ der CES-Verlag sie neu illustrieren und – mit kleinen Übungen versehen – drucken.

SELBER LESEN:
Die Reihe für Leseanfänger
Geschichten und Texte von Birgit Sommer

Bisher erschienen:

– Hallo, wir sind Mara und Timo: ISBN 978-3-933651-30-3
– Der Herbst mit Mara und Timo: ISBN 978-3-933651-31-0
– Unterwegs mit Mara und Timo: ISBN 978-3-933651-32-7
Alle 3 Bücher im DinA5 Heftformat -> Tipp für Büchereien

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Über Birgit Sommer

Jeder Leseanfänger steht einmal auf der Schwelle zwischen Buchstaben kennen und Lesen können, daher brauchen sie auch einfachere Geschichten zum flüssig Lesen lernen. Gerne gebe ich auch Lesungen oder Seminare. Viele Grüße, Birgit Sommer (Autorin für Leseanfänger und leseschwache Kinder)
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